Das Geld neu erfinden

Alternative Währungen verstehen und nutzen

Aktuell entsteht in fast allen Teilen der Welt eine unglaubliche Vielzahl und Vielfalt von neuen Währungsformen und Geldsystemen. Mit Bitcoin, Bücherbon, Bristol Pound & Co. gibt es eine ganze Reihe von alternativen Geld- und Währungsmodellen, welche bereits über die Pionier- und Experimentierphase hinaus sind. Die neuen Währungen sollen stabiler und sicherer sein und auf fairen Grundlagen basieren – für eine nachhaltige und zukunftsfähige Wirtschaft. Denn nicht erst seit der großen Banken- und Finanzkrise ist offensichtlich, dass das existierende globale Geldsystem grundlegende Probleme aufweist. Jens Martignonis Buch gibt in einfacher und knapper Form einen Überblick über die aktuelle Diskussion zum Thema alternative Währungen und stellt die spannendsten Projekte vor. Das Buch soll die Leserinnen und Leser befähigen, sich zu orientieren, mitzureden und auch mitzutun, indem sie selbst solche Währungen nutzen oder sich an neuen Konzepten beteiligen. Zur Vertiefung können die vielen weiterführenden Hinweise, Links und Literaturangaben genutzt werden.     

Jens Martignonis       

Jens Martignoni, Jahrgang 1963, Ausbildung als Ingenieur FH am Technikum Winterthur/Schweiz und MBA in Nonprofit-Management an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Freiburg/Schweiz, ist Dozent für Innovationsmanagement und Mathematik an verschiedenen Fachhochschulen und arbeitet seit vielen Jahren an der Entwicklung von alternativen Wirtschaftsformen und neuen Geldsystemen. Er ist Geschäftsführer von FleXibles, einem Verein zur Förderung neuer Arbeitsformen in Zürich, wo er die Abteilung Wirtschaftsforschung & Entwicklung leitet. Der Verein erbringt Dienstleistungen und Beratung im Bereich gesellschaftliche und soziale Innovationen und arbeitet an der Gestaltung und Simulation neuer Geldsysteme.

Ausgewählte Veröffentlichungen:

Masterarbeit „Typologie von Komplementärwährungen und Erfolgsfaktoren von Komplementärwährungsorganisationen“ Masterarbeit (PDF 6.0 MB)
„A new approach to a typology of complementary currencies“, Studie für IJCCR
„Currency-Innovation as an approach to the Euro-Crisis: List of 11 proposals“, Studie (PDF 85 KB)
„Entwicklung und Stand des ethischen Bankings in der Schweiz“, Fachartikel (PDF, 2.9 MB)

Fragen zu nachhaltigen Geldsystemen und Komplementärwährungen können Sie gern richten an: jmartignoni (at) flexibles.ch

             


Freigeld - Michael Unterguggenberger und das “Währungswunder von Wörgl"

Weltwirtschaftskrise – der berüchtigte “Schwarze Freitag” bringt 1929 tausenden Menschen Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot, Massenarmut. Auch in Wörgl, der kleinen Gemeinde in Tirol, zählt man mittlerweile über 400 Arbeitslose. Und täglich werden es mehr. Zahlreiche Betriebe müssen ihre Pforten schließen. Nachts tragen die Sozialdemokraten und die immer rabiater werdenden Hakenkreuzler ihre politischen Diskussionen schon mit den Fäusten aus. Die Wörgler werden unruhig. Besonders Michael Unterguggenberger, dem neuen Bürgermeister, raubt die Wirtschaftsnot den Schlaf. Arbeit muss beschafft werden; und das vorhandene Geld muss wieder in Umlauf gebracht werden, damit die Wirtschaft gesunden kann. Doch wer jetzt Geld hat, hält es natürlich in solchen Krisenzeiten zurück. Es behält ja seinen Wert. Auch Michael Unterguggenberger weiß das. Er kennt die Lehre der Sozialreformer, die das Geld als echtes Tauschmittel den Waren wirklich gleichgestellt sehen wollen. Dann nämlich muß auch das Geld – wie die Waren – mit der Zeit an Wert verlieren. Und erst dann wird es niemand mehr risikolos zurückhalten und horten wollen, sondern möglichst rasch in den Wirtschaftskreislauf zurückgeben und umlaufen lassen! So wie es der Volksmund sagt: “Taler, Taler, du musst wandern.” Der Bürgermeister hat nichts mehr zu verlieren. 1932 ist es soweit. Der ganze Ort muss von der reichlich seltsam klingenden neuen Idee überzeugt werden. So beginnt das bedeutendste Freigeldexperiment der Geschichte und wird bald von der internationalen Presse begleitet. Bis man auch in Wien auf diese wahrhaft ungeheuerliche Entwicklung aufmerksam wird.

Autor: Klaus Rohrbach