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Kaffeegespräch zu Komplementärwährungen am 20. März 2013 in Zürich

Die Schweizer Tauschsysteme sind an der internationalen Komplementärwährungs-Entwicklung sehr interessiert und lernen von Erfahrungen anderer Länder - ein Besuch beim Bristol Pound (http://bristolpound.org/) in Großbritannien zählt da genauso dazu wie der Informationsaustausch über den Einsatz von Tauschwährungen während der Argentinienkrise - dort blühte 2001 der Tauschhandel, sogar Provinzregierungen gaben eigene Währungen aus - bis das System missbraucht wurde und zusammenbrach.

Schweizer Initiativen - ein Überblick

FleXibles - Verein für neue Arbeitsformen

Geld, Arbeit und Wirtschaft neu denken - dieses Ziel setzt sich der Verein FleXibles - Verein zur Förderung neuer Arbeitsformen mit Sitz in Zürich (www.flexibles.ch). FleXibles wurde 1992 als unabhängiger und gemeinnütziger Verein gegründet. Bereits im Gründungsjahr wurde ein Pilotprojekt für ein eigenes Geldsystem «Flecü» durchgeführt.  FleXibles hat sich seither als Denkwerkstatt und Projektwiege für Innovationen im Bereich Arbeit, Geld und Wirtschaft etabliert. Der Verein setzt dabei Pilotprojekte um und präsentiert Bildungsangebote. 

Geschäftsführer Jens Martignoni arbeitet seit Jahren an der Entwicklung von alternativen Geld- und Wirtschaftsmodellen und leitet die Abteilung Wirtschaftsforschung und Entwicklung. Als Mitorganisator des ersten fairventure-Kongresses 2012 in Leipzig lud er beim Kaffeegespräch auch zum fairventure-Kongress 2013 in Velbert-Langenberg in Nordrhein-Westfalen in Deutschland von 26. bis 28. April 2013 (Info: www.fairventure.de), der unter dem Motto "Wir sind der Wandel" steht. FleXibles wird weiters bei der 2nd International Conference on Complementary Currency Systems in Den Haag von 19. bis 22. Juni 2013 vertreten sein (www.iss.nl).

Zu den aktuellen Projekten von FleXibles zählt die Entwicklung einer Simulationssoftware für Komplementärwährungen in Zusammenarbeit mit Studierenden der Fachhochschule Nordwestschweiz. Damit wird es möglich, Geldflüsse zu simulieren und Vorhersagen zu treffen, was für das Design von Komplementärwährungen ein wertvolles Werkzeug darstellt.

Jens Martignoni und Markus Gmür untersuchten die Erfolgsfaktoren im Management von Komplementärwährungsorganisationen und veröffentlichten ihre wissenschaftliche Arbeit dazu 2012 in der Zeitschrift für das gesamte Genossenschaftswesen in der Schweiz. Sie nahmen dafür 15 Organisationen aus dem deutschsprachigen Raum unter die Lupe, mit besonderem Fokus auf den Zusammenhang zwischen einer Reihe von Zielerreichungskriterien und dem Entwicklungsgrad des Management-Systems. 

FleXibles unterstützt auch die aktuell laufende Eidgenössische Volksinitiative für eine "Wirtschaft zum Nutzen aller", die den uferlosen und in diesem Ausmaß schädlichen Wirtschaftsliberalismus in die Schranken weisen will. Die Unterschriftensammlung dafür läuft. Infos auf http://www.lavrille.ch/

Bon Netz Bon - älteste Schweizer Komplementärwährung

2001 wurde vom Verein Soziale Ökonomie in Basel die Genossenschaft Netz Soziale Ökonomie gegründet und mit deren Mitgliedsorganisationen eine nicht konvertierbare Parallelwährung eingerichtet. Diese Währung etablierte sich und seit Jänner 2005 steht der BNB - BonNetzBon als Komplementärwährung einem breiteren Kreis zur Verfügung, wobei der aufgedruckte Wert dem des Schweizer Franken entspricht. "Neu ist der BNB auf elektronischer Basis", teilte Jens Martignoni mit. Weitere Infos auf http://viavia.ch/netzbon/.

Als Vorbild für das jahrzehntelange Funktionieren einer Komplementärwährung wird gern das Schweizer WIR-System angeführt, das 1934 als WIR-Wirtschaftsring gegründet wurde. Die WIR-Genossenschaftsbank (http://www.wir.ch/) besteht heute noch und ist Plattform für Klein- und Mittelständische Unternehmen, die auch das WIR-Franken-Verrechnungssystem parallel zum Euro nutzen, dabei aber mittlerweile vor allem als Bank agieren und Hypothekarkredite gegen Zins vergeben. "Es ist schade, dass WIR so wenig von seinen Chancen wahrnimmt", meint Martignoni und weist auf das ungebrochene Interesse am WIR-Franken hin - jede Woche  komme eine Anfrage aus dem Ausland.

Eine landesweite Schweizer Parallelwährung sind weiters die REKA-Schecks, die verbilligt ausgegeben werden und Frankenparität aufweisen. Mit ihnen kauft man z.b. bei Coop um 3 % günstiger ein. Die REKA-Genossenschaft wurde als Reisekasse von der Hotel- und Tourismusbranche gegründet. Alle Infos zum Reka-Geld, das es auch auf elektronischer Basis gibt, auf www.reka.ch

Schweizer Tauschsysteme

In der Schweiz kommt auch die Zeit als Währung zum Einsatz. "Für die Schweizer Zeittauschsysteme findet jährlich ein Treffen in Luzern statt", weiß Martignoni. In Zürich bildete sich die Plattform zürich tauscht (www.zürichtauscht.ch), eine Kooperation der fünf Züricher Tauschnetzwerke Complino (www.complino.ch), "give & get" (www.giveanget.ch), dem 2000 gegründeten Tauschkreis LETS Zürich (www.lets.ch), dem 1993 gegründeten, ältesten Tauschkreis der Deutschschweiz Talent (www.talent.ch) und dem Netzwerk tauschen am fluss (www.tauschenamfluss.ch).

FairCH: mehr Fairness für alle
  "Wir wollen für ALLE ein gerechtes, würdiges Leben – umgeben von gesunder Natur. Möglichst viel Gewalt soll dank weiser Prävention verhütet werden. Gewaltarme Verhaltensweisen sollen belohnt werden" lautet die Präambel der Initiative FairCH, die u.a. das bedingungslose Grundeinkommen als Menschenrecht einfordert und eine faireVerteilung des Reichtums anstrebt. Die Themenbereiche zur Fragestellung, wie man einer nachhaltigeren Entwicklung gerecht werden kann, umfassen die Verbreitung von Solargeräten, die Verfügbarkeit freiwilliger Familienplanung ohne Diskriminierung und ein faires Geldsystem.
 
Was hat die Hunger- und Finanzkrise mit der Kirche zu tun? Auch darauf gibt die Initiative FairCH Antworten und fordert die Menschen auf, selbst aktiv zu werden. Etwa mit einer Deklaration für eine gerechtere und friedensfördernde Kirche, in der die eigene Kirchengemeinde zu gewalt-reduzierenden Maßnahmen aufgefordert und erst dann wieder Kirchensteuer bezahlt wird: Ins Visier genommen sind dabei die Bankgeschäfte der Kirchen ebenso wie Einforderung des Zinsverbotes. FairCH durchleuchtet auch die Arbeit von Hilfsorganisationen. Weitere Infos auf www.fairCH.com

Vollgeld: ein gerechteres Geldsystem

"Es ist Zeit, das Problem an der Wurzel zu packen! Beheben wir die Fehler unseres Geldsystemes - Jetzt!" fordert der Verein Monetäre Modernisierung MoMo, der mittels Volksinitiative in der Schweiz eine Banken- und Geldreform anstrebt und Vollgeld einführen will: Eine "Verfassung des Geldes", aber keine Verstaatlichung der Banken. Alles Geld soll ausschließlich von einer unabhängigen öffentlichen Stelle geschaffen werden - der Monetative als vierte Säule im Staat, in der Schweiz von der Nationalbank. Die Vollgeldreform schaffe krisensicheres Geld, stoppe Spekulations-Exzesse, verhindere "too big to fail", stabilisiere die Wirtschaft und baue Staatsschulden ab, so lauten einige der Vorteile. Der Verfassungstext online liegt bereits vor. Alle Infos dazu auf www.vollgeld.ch

INWO Schweiz lädt zur Vernetzungswanderung 2013

Seit 2006 organisiert die Initiative für Natürliche Wirtschaftsordnung INWO Schweiz (www.inwo.ch) Vernetzungswanderungen, heuer am 15. Juni 2013 im Ebenalp-Gebiet. Der Wandertag bietet den Mitgliedern verschiedener Organisationen die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Die INWO arbeitet vernetzt mit weiteren NGO´s und unterstützt u.a. die Volksinitiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen in der Schweiz (www.bedingungslos.ch)

Kunstfestival in Zürich: Lets talk about money, honey

Das ist gleichzeitig der Titel und das Konzept der Kuration in der Südbühne der Gessnerallee Zürich vom 1. Mai bis 15. Juni 2013. Die neue Dringlichkeit (nD), ein politisch motiviertes Künstlerkollektiv aus Zürich, gestaltet diese zwei Monate, weitere Infos dazu auf http://money-honey.org

... und ein Beitrag aus Österreich

Einen Überblick über Komplementärwährungen in Österreich, über das Wörgler Jugendprojekt I-MOTION sowie über aktuelle Initiativen, die sich mit dem gesellschaftlichen Wandel befassen, gab Veronika Spielbichler, Obfrau des Unterguggenberger Institutes - eine Kurzübersicht gibt´s hier als pdf-Dokument

 

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