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11. Echoraum der Baugenossenschaft mehr als wohnen präsentierte Wörgler Jugendwährung I-MOTION

Die Bebauung des  Hunziker-Areals in Zürich soll ein wegweisendes Bauprojekt für den Schweizer Wohnbau werden. Schon die Planungsphase wird von einem Beteiligungsprozess begleitet - am 19. März 2013 fand er 11. Echoraum der Baugenossenschaft mehr als wohnen im Hotel Courtyard statt.

mehr als wohnen - eine Schweizer Baugenossenschaft geht neue Wege

2007 feierte die Stadt Zürich und deren Wohnbaugenossenschaften 100 Jahre städtische Wohnbaupolitik. Aus den Veranstaltungen des Jubiläumsjahres resultierte die Idee, die Erkenntnisse daraus in ein großes, wegweisenden Wohnbauprojekt einfließen zu lassen. Mehrere Dutzend Wohnbaugenossenschaften gründeten dazu die Baugenossenschaft mehr als wohnen, deren Projekte neue Wege ausprobieren und eine Innovationsplattform für die bestehenden Wohnbaugenossenschaften sein sollen.

Als erstes Projekt wird bis 2014 auf dem Hunziker-Areal im Norden von Zürich ein neues Quartier für rund 1.100 Menschen errichtet. Das Projekt richtet sich nach den Zielen der 2000 Watt Gesellschaft und versteht sich als Innovationslabor für den gemeinnützigen Wohnbau. Schon die Planungsphase bezieht die künftigen BewohnerInnen mittels Beteiligungsprozess mit ein, der von der Fachhochschule Nordwestschweiz und der Hochschule Luzern, Soziokultur begleitet wird.  

Beim 11. Echoraum der Baugenossenschaft mehr als wohnen stand die Frage "brauchen wir ein Quartiervergütungssystem und wenn ja - welches?" im Mittelpunkt. Nach der Vorstellung des Wörgler Jugendprojektes I-MOTION, das ein Gutscheinsystem mit Zeitwertkarten als Belohnung für sinnvolle Freizeitbeschäftigung Jugendlicher zur Förderung von Nachbarschaftskontakten und sozialen Einrichtungen verwendet, wurde in sechs von FachhochschülerInnen professionell geleiteten Gruppen daran gearbeitet, wie das "geniale Quartiervergütungssystem" fürs Hunziker-Areal aussehen könnte.

Das Quartierleben-Modell von mehr als wohnen wurde mithilfe von Echoräumen erarbeitet. Die selbst gegebenen Verfassung von mehr als wohnen sieht als zentrale Elemente des Gemeinschaftslebens Partizipation, Selbstorganisation, Dienstleistung/Service und Kultur mit Musik, Gestaltung, Theater und Kino. Um die Wirkung der Gemeinschaft zu erzeugen, brauche es Strukturen wie Räume, Gremien, Prozesse und Mittel. Die bisher im Beteiligungsprozess erarbeiteten Grundlagen stellten mehr als wohnen-Geschäftsführerin Monika Sprecher und Hans-Ruedi Klöti, Projektleiter der Fachhochschule Nordwestschweiz einleitend vor.

Das Quartier soll mehr als wohnen umfassen und wird als Allmende definiert, zu deren Bewirtschaftung eine Kommission eingerichtet wird. Für deren Pflege werden die Tätigkeiten der Bewohnerinnen in Pflicht-Aufgaben sowie in die Kür eingeteilt, die das Quartierleben speziell attraktiv machen. Die Pflichtaufgaben werden von der Allmend-Kommission ausgeschrieben, wofür auch eine Job-Börse eingerichtet wird. Diese sollen auch über ein Quartiereigenes Vergütungssystem bezahlt werden.

"Was kann ich zur Selbstorganisation beitragen? Wo ist mein Talent? Was kann alles im Quartier produziert werden?", regte Prof. Martin Klöti zum Mitmachen an. Ziel sei es, so viel wie möglich Ressourcen aus der Region mit einem Umkreis von 30 bis 40 Kilometern für Bedürfnisse wie Essen, Kleidung und Hygiene zu verwenden und die Kreislaufwirtschaft zu forcieren. "Das Quartier beinhaltet auch Arbeit in Form von gewerblichen Arbeitsplätzen, die etwa der Nahversorgung und Lebensmittelproduktion dienen", so Kloeti. "Die wichtigste Aufgabe der Quartier-Kommission wird die Zuteilung der Räume, die gemeinschaftlich genützt werden, sowie das Bezahlen der Pflichtaufgaben", erklärte Monika Sprecher. Die "Kür" entstehe aus der Dynamik, den kulturellen und kreativen Fähigkeiten der Menschen, die aber nur dann zum Tragen kommen, wenn die Pflichten harmonisch von der Hand gehen.

Was soll das neue Quartiervergütungssystem leisten? Wie soll es beschaffen sein? Die Ergebnisse aus sechs Arbeitsgruppen dienen zur Weiterarbeit an der Umsetzung. Bild rechts: Veronika Spielbichler, Prof. Martin Klöti, Jens Martignoni und Monika Sprecher (von links).

Wörgler Jugendprojekt I-MOTION als Anregung

Nachbarschaft beleben, Sozialstrukturen stärken,  Jugendlichen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung in Gemeinschaft bieten und Generationen verbinden - mit dieser Zielsetzung wurde im Rahmen der Lokalen Agenda 21 in Wörgl 2005 das Jugendprojekt I-MOTION gestartet, bei dem Hilfsdienste von Jugendlichen ab 12 Jahren für Privatpersonen, Vereine, soziale sowie städtische Einrichtungen mit einem Gutscheinsystem belohnt werden - Taschengeld mit sozialem Mehrwert, bei dem Zeitwertkarten als Komplementärwährung eingesetzt werden. Die Zeitguthaben tauschen die Jugendlichen in Einkaufsgutscheine oder Gutscheine für Freizeitaktivitäten wie Kino, Erlebnisbad oder Fitnesscenter ein, die sie in Wörgl einlösen können.

Über die Umsetzung und Erfahrungen aus dem Projekt, das fixer Bestandteil der städtischen Jugendarbeit ist, informierte Veronika Spielbichler, Obfrau des Unterguggenberger Institutes Wörgl und Leiterin der LA21-Projektgruppe Komplementärwährung, die das Jugendprojekt im Rahmen eines Bürgerbeteiligungsprozesses ehrenamtlich ausarbeitete. Projektträger ist die Stadtgemeinde, die operative Umsetzung erfolgt seit Sommer 2012 im neu gegründeten Verein für Jugend, Integration und Gemeinwesenarbeit. Die Präsentations-Folien gibt´s zum Nachlesen hier als pdf-download.

Wie können die Schilderungen aus Wörgl in das Umfeld von mehr als wohnen übertragen werden? An dieser Frage arbeiteten die TeilnehmerInnen des Abends in sechs moderierten Gruppen mit unterschiedlichen methodischen Verfahren weiter. Sehr effektiv, wie sich bei der Präsentation der gesammelten Ideen und Statements zeigte, aus denen hervorging, dass ein Quartiervergütungssystem gewünscht wird. Bestenfalls soll man damit auch Miete zahlen können. Ob das Quartier tatsächlich groß genug für eine Kreislaufwirtschaft ist tauchte als Frage ebenso auf wie jene der Bewertungskultur. Recht konkret wurde eine "Tatenbank" und eine Job-Börse mit Maximal- und Minimalpreisen vorgeschlagen - letztere soll auch ehrenamtliches Mitmachen ohne Vergütungssystem ermöglichen. Was aus den Diskussionen auch hervorging war, dass das Vergütungssystem selbst flexibel und je nach Zielausrichtung gestaltet werden soll.

Weitere Bilder vom Echoraum gibt´s hier in der Galerie und Informationen über mehr als wohnen gibt´s auf http://www.mehralswohnen.ch

 

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