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Lesung und Diskussion mit Thomas Brändle am 19. Oktober 2011 im Sparkassensaal Wörgl

   

Das Unterguggenberger Institut präsentierte im Sparkassensaal Wörgl die Ausstellung Geldgeschichte.N zur Lesung und Diskussion mit dem Schweizer Buchautor Thomas Brändle.

"Das Geheimnis von Montreux" betitelte Thomas Brändle seinen spannenden Krimi, der keinesfalls nur den Sonderfall Schweiz betrifft. Schließlich sind die Auswirkungen neoliberaler Wirtschaftspolitik, deren Kaderschmiede 1947 am Mont Pèlerin bei Montreux am Genfersee gegründet wurde, heute weltweit zu spüren. Mit der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise stehen wir vor dem Scherbenhaufen der "Entnationalisierung des Geldes", die nicht Wohlstand für die breite Bevölkerung, sondern immer mehr Vermögens- und damit Machtkonzentration in den Händen weniger bei zunehmender Verelendung breiter Bevölkerungsschichten gebracht hat.
Ein Politiker, der die richtigen Fragen stellt...
Eine Entwicklung, die der freisinnige Zuger Kantonsrat in seinem 2008 erschienenen Krimi vorweg nimmt. "Wir planen den Crash für 2011", lässt er seine Romanfigur Greenfield sagen. "Zufall", meint Brändle bescheiden. Eine Einschätzung, die wohl aber auch Ergebnis jahrelanger tiefer Auseinandersetzung mit dem Geld- und Finanzsystem, historischer Recherche und vieler Gespräche mit geldsystemkritischen Menschen wie Hans Christoph Binswanger ist. Eine Literaturliste am Ende des Romans listet der gelernte Bäcker und Konditor ebenso als Inspiration zu seinem Roman auf wie seine Tätigkeit im Parlament des Kantons Zug. Seine 2007 eingebrachte Interpellation zur Schweizer Währung findet sich im Originalton seines Romanhelden Marco Keller wieder. Die fundierte geschichtliche Zeitreise führt zurück bis Aristoteles, nimmt die Fugger ebenso als historische Stationen auf wie Napoleon, die Gründung der Schweiz, John F. Kennedy und Papst Johannes Paul I.
Der Krimi erzählt somit auf zwei Ebenen spannende Geschichte - als fiktive Mordserie in der Gegenwart und die Fakten der Entstehung unseres Wirtschaftsystems. Das lernte der in Unterägeri im Kanton Zug aufgewachsene Buchautor Thomas Brändle, Jahrgang 1969 und im Zivilstand nach eigener Angabe "unerledigt" auch aus der Perspektive des selbständigen Kleinunternehmers kennen - nicht nur aus Schweizer Sicht. Nach Absolvierung seiner Berufsausbildung als Bäcker, Konditor und Confiseur folgten längere Auslandsaufenthalte in Australien, Neuseeland, in den USA, Lateinamerika und Europa. Zwischen 1993 und 2005 bildete Thomas Brändle über 30 Lehrlinge aus, absolvierte diverse Weiterbildungen in Betriebswirtschaft, Mitarbeiterführung und Marketing, war bis 2005 fünf Jahre lang Geschäftsleiter und Mitinhaber der Café Brändle AG. 2006 und 2007 führten ihn Engagements für die Swisscontact bei der der Firma Irupana Andean Organic Food SA für mehrere Monate nach La Paz in Bolivien.
Monetäre Modernisierung: Vollgeld für die Schweiz...
Sein politisches Engagement bei der Freisinnig-demokratischen Partei brachte ihn von 2002 bis 2010 in den Kantonsrat im Kanton Zug, eine weitere Kandidatur lehnte er ab, arbeitet aber in der Wirtschaftskommission der Partei weiterhin mit und engagiert sich als Vorstandsmitglied im Verein Monetäre Modernisierung MoMo, der sich als Ziel die Einführung eines Vollgeld-Systems in der Schweiz gesetzt hat (Info: http://vollgeld.ch/)
Das Thema Geld spielt auch im neuesten Roman von Thomas Brändle, seit 2008 beruflich freischaffender Schriftsteller, eine große Rolle: "Vatikan City - Das geheime Manuskript". Der Roman (Info: http://www.wolfbach-verlag.ch/autoren/thomas_braendle/) schildert die Verbindungen zwischen Religion und dem heutigen, virtuellen Finanzsystem und Thomas Brändle trug bei seiner Lesung in Wörgl noch vor der offiziellen Buchpräsentation am 28. Oktober ein Kapitel daraus vor. Im November steht ihm dann schon die nächste Buchpräsentation ins Haus: In Zusammenarbeit mit dem DeutschSchweizer PEN Zentrum gibt er gemeinsam mit Dominik Riedo die Anthologie "Über Geld schreibt man doch" heraus (Info: http://www.zytglogge.ch/vorschau/braendle-riedo_geld.html)
Thomas Brändles Schriftsteller-Karriere startete nicht erst mit dem mittlerweile international beachteten Krimi "Das Geheimnis von Montreux", sondern mit der Theaterkomödie Hürat usgschlosse, verfasst in Mundart, und der Veröffentlichung humoristischer Kurzgeschichten. Wo sich der Zunftmeister der Müller, Bäcker und Zuckerbäcker der Stadt Zug sonst noch engagiert? Die Liste ist lang und hier nicht vollständig wiedergegeben - vom Rotaryclub über die Gesellschaft für ethische Fragen bis zum DeutschSchweizer PEN-Zentrum, dem Schweizer Autorenverband und als Vorstandsmitglied beim Schweizer Schriftstellerverein ISSV, beim Tüftelverein Einstein in Zug und beim theater unterägi.
Die abschließende Diskussion kreiste um Fragen zur aktuellen Finanzkrise und zeigte Möglichkeiten auf, wie durch Komplementärwährungen mehr Stabilität ins Wirtschaftssystem gebracht werden kann. 
         
Zur Lesung im Sparkassensaal kamen u.a. auch Wörgls Gemeinderäte Richard Götz und Christian Pumpfer sowie Sparkassen-Geschäftsstellenleiter Gottfried Guggenberger und Bereichsleiter Prok. Friedl Graus von der Sparkasse Kufstein/Wörgl, die die Veranstaltung unterstützte.
Geldgeschichte.N aus dem Burgenland - Ausstellung
Die Ausstellung Geldgeschichte.N wurde anlässlich des Symposiums „Alte Ansichten – Neues Geld“ im September 2010 im Offenen Haus Oberwart im Burgenland erstellt und von 25. September bis 16. Oktober 2010 gezeigt. Die Informationsbanner waren durch Exponate in Schaukästen ergänzt, die aus organisatorischen Gründen in Wörgl nicht gezeigt wurden. 
 
Die Ausstellung gibt einen historischen Überblick auf die Geschichte des Geldes und damit verbundener wichtiger wirtschaftlicher Entwicklungen unter Einbeziehung des Gebietes des heutigen Burgenland und der angrenzenden Regionen.In 10 Kapiteln werden besondere Aspekte aus unterschiedlichen geschichtlichen Epochen thematisiert, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf das Leben der Menschen gelegt wird. 
 
 Zusammengestellt wurde die Ausstellung von Andreas Lehner, Peter Liszt und Rudo Grandits, Vorstandsmitglied im Unterguggenberger Institut (Bild rechts von links), der bereits 2007 im Plakatausstellungsprojekt Neues Geld (www.neuesgeld.com) mitgearbeitet hat. Beraten wurde das Projekt von Armine Wehdorn, Kuratorin des Geldmuseums der Österreichischen Nationalbank.
 
Weitere Info zum Krimi "Das Geheimnis von Montreux":
 
Noch ein Link zum Thema Monetative: http://www.youtube.com/watch?v=1Vil4gNVRuk

 

 
 
 
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