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Social Trade Organisation: Pilotprojekt in Uruguay - der Staat gibt Komplementärwährung heraus

 

 

STRO in Uruguay: C3
Informationen von STRO - Übersetzung von Veronika Spielbichler

 

Aufgrund einer Regierung, die die Vision hat, die Möglichkeiten von Social TRade für die Gemeinschaft zu erforschen, ist Uruguay das erste Land weltweit, das landesweit eine C3-Initiative gestartet hat. Der Hauptgrund für den Start der Aktivitäten in Uruguay war der nachhaltige Effekt der argentinischen Peso-Krise, der sich nach wie vor negativ auf das vormals blühende Land auswirkt.
C3 Uruguay beinhaltet ein doppeltes Kontensystem, in dem sowohl Pesos als auch Dollar verwaltet werden können. Das reflektiert die Realität im Finanzsystem Uruguays, in dem der Dollar schon lang einen akzeptierten Platz einnimmt. Konsequenterweise haben Mitglieder ein  Konto mit Einheiten, die denselben Wert wie die Nationalwährung Peso ausweisen, und ein anderes, in dem die Einheiten nach dem Dollar bewertet sind.
Wichtige Mitglieder im C3U sind das Steuerbüro des nationalen Pensions-Fonds und verschiedene wichtige Unternehmen, die Elektrizität, Gas, Wohnungen, Telefon und Internet-Services anbieten. Die breite Akzeptanz der Einheit sichert ein großes Potenzial an Mitgliedern, da ausreichende Gelegenheiten im System bestehen, C3 als Zahlungsmittel einzusetzen. Sie sind eine wesentliche Stütze für die Wachstums-Strategie des Systems.
Über die Jahre etablierte sich das unabhängige Social Trade-Wissenscenter STRO Uruguay, das Social Trade Konzepte eingeführt hat. Es ist zu erwarten, dass dieses Zentrum das Hauptquartier des Social Trade Institutes, der Forschung und des Trainings-Centers für den gesamten spanisch sprechenden Teil Latein-Amerikas wird.
Verschiedene Regierungen lateinamerikanischer Staaten zeigten bereits ihr Interesse an diesem innovativen Ansatz, diesen wichtigen Sektor im Gesellschaftsleben zu stärken. Das C3-Exempel wurde erforscht durch SELA (Sistema Economico Latinoamericano y del Caribe), dessen Organisation Uruguays Regierung angeboten hat, die Verbreitung der STRO-Methode zu unterstützen.
Ein weiterer wichtiger Partner von Stro in Uruguay ist die Bewegung der Kooperativen, die nachfragte nach Unterstützung zur Einführung einer eigenen inter-cooperativen C3-Währung, die mit der staatlichen C3U zusammenarbeitet.
Weitere Ziele von C3U bestehen darin, ein Pilotprojekt zu erarbeiten, das zeigt, wie die C3-Software Cyclos von Mikrokredit-Instituten in ländlichen Regionen in Form von Mobiltelefonen unter Verwendung der SMS-Funktion für den Zahlungsverkehr oder anderer Möglichkeiten verwendet werden kann.
C3 – Zahlungssystem
C3 ist ein neues Zahlungssystem für Klein- und Mittelbetriebe. 2009 startete die Regierung mit der Einführung des neuen Zahlungssystems, einem Transaktions-Netzwerk. Initiierte wurde es vom Minister für Arbeit, Eduardo Bonomi während seiner Teilnahme in einer Diskussion über die internationale Krise und Uruguay, organisiert von der Stadtregierung von Montevideo.
Minister Bonomi sagte, dass die Entwicklung des neuen Systems das Ergebnis der Zusammenarbeit der Ministerien für Arbeit, Wirtschaft, Industrie und Energie sei, an dem auch weitere staatliche Einrichtungen wie die Nationalbank, die staatliche Versicherung und die Kommunalverwaltungen von Montevideo und Canelones teilnehmen. Staatliche Betriebe werden ebenso am neuen System teilnehmen.
„Dieses neue Netzwerk von Transaktionen wird Klein- und Mittelbetrieben Kredit im alternativen Währungssystem einräumen, das landesweit einwechselbar ist und mit dem man Treibstoff und Steuern bezahlen kann und das einwechselbar in Geld ist“, ist der Minister überzeugt. Er machte klar, dass dieses System in erster Linie die Produktion und nicht den Konsum unterstützen soll. Anfangs sollen nur Mikro-, Klein- und Mittelbetriebe teilnehmen, in einer weiteren Ausbaustufe auch Privatpersonen.
Die Initiative rechnet mit Unterstützung der Banken und des General Interamerikanischen Sekretariates. Das Projekt rief bereits großes Interesse in den Nachbarländern Argentinien, Bolivien, Ecuador und Venezuela hervor. Das könnte in Zukunft auch überregionale Transaktionen ermöglichen.
Der Mechanismus
Auf der ganzen Welt bestehen bereits ähnliche Systeme. In diesem Fall ist der Unterschied, dass die Verwaltung der Staat übernimmt. Es funktioniert wie ein Netzwerk elektronischen Zahlungsverkehrs mit Guthaben und Schulden. Um dem System beizutreten, benötigen die Unternehmen die Zulassung der Staatsbank. Ab da erhält das Unternehmen ein Konto im System. Der Betrieb kann dann Zahlungen von seinem Konto zugunsten einer staatlichen Einrichtung oder eines privaten Mitgliedes des Netzwerkes vornehmen. Konten werden in regelmäßigen Abständen ausgeglichen und Teilnehmer über ihren Handelsstatus beraten.
Diese Beträge sind einwechselbar in Nationalwährung oder können zur Bezahlung von Treibstoff oder Steuern verwendet werden. Bonomi sagte, dass die Idee bei der nationalen Vereinigung von Micro und Kleinunternehmern vorgestellt wurde und auf großes Interesse stieß.
Einführung mit Know How von STRO
Die Entwicklung des Netzwerkes verursachte dem Staat keinerlei Kosten, da es seinen Ursprung in der Zusammenarbeit mit der STRO-Foundation in Holland hat. STRO stellt das Netzwerk-Modell, bekannt als C3 - Consume- and commerce-circuit, zu deutsch Konsum- und Handelskreislauf. Der Name für das virtuell zirkulierende Verrechnungs-Geld nennt sich internal liquidity – also interne Liquidität. Die Techniker, die an der Umsetzung arbeiteten, wählten dafür eine ortsansässigere Bezeichnung: Charrua – den Namen der indianischen Ureinwohner vor der Kolonialisierung, die komplett ausgerottet wurden. Ironischerweise werden die Einwohner Uruguays heute noch als Charrua bezeichnet. Außerdem wurde der Name als Zeichen lokaler Identität gewählt.
Wie auch immer, STRO Uruguay wählte eine Vorgehensweise, die auch für andere C3-Modelle funktionieren dürfte. Kleine Unternehmen erhalten nicht dieselben Zahlungskonditionen wie Großunternehmen. C3 Uruguay arbeitet mit einem Garantie-Fonds, der Kleinunternehmen die Zahlung in der alternativen C3-Währung sichert. In diesem Fall brauchen Kleinunternehmen nicht Monate lang auf den Erhalt der Zahlung zu warten und sind so in der Lage,  einen Lagerbestand zu halten. In der Hauptstadt Montevideo, in der mehr als die Hälfte der Einwohner Uruguays leben, wird dieselbe C3-Zahlungsmethode für Kleinbetriebe eingeführt.
Für STRO ist die neue C3-Vorgangsweise ein fazinierendes Experiment, weil große Partner teilnehmen. „Wir hoffen, dadurch mehr Einblicke zu erhalten, wie eine Komplementärwährung in Form eines C3-Netzwerkes in einem armen Land wirkt“, so STRO.  
Transaktionen würden zu 100 % garantiert und das System erlaubt die Teilnahme zu niedrigen Kredit-Kosten für Kleinbetriebe, die derzeit nicht durch den traditionellen Bankbetrieb abgedeckt sind. Das wird die Wettbewerbsfähigkeit der kleinen Wirtschaftseinheiten stärken, ihre Formalisierung anregen und Verwaltungsaufwand und Transaktionskosten reduzieren. Dieses Netzwerk wird keine Inflationsprobleme verursachen, da die Finanzmittel in die Produktion von Waren und Dienstleistungen kanalisiert werden.
Nationales System der Garantie
Um das System einzuführen, stellte die Regierung einen Garantiefonds von 5 Millionen US-Dollar als Deckung für die Kleinkredite zur Verfügung.
Weitere Infos:
Das STRO C3U Modell sprach auch der internationale Finanzexperte Bernard Lietaer in seinem Vortrag TEDxBerlin an - online-Video siehe auf: http://www.youtube.com/watch?v=nORI8r3JIyw&feature=player_embedded
Früherer Bericht auf www.unterguggenberger.org: 
http://www.unterguggenberger.org/page.php?id=293

Infos zur STRO-Projekt C3 in Uruguay: http://www.socialtrade.org/index.php?option=com_content&view=article&id=6&Itemid=42&lang=en

Informationen auch auf http://www.stro.org.uy/

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