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Tagung: Geld - regional und global, von oben und von unten am 23. und 24. April 2010 am Goetheanum

 

Engagierte Tagungsorganisation: Otmar Donnenberg vom Verein für nachhaltiges Wirtschaften und Forum Unternehmerisches Lernen sowie aktiv im Vorstand des Regiogeld-Vereines DreyEcker mit Goetheanum-Mitarbeiterin Hanna Koskinen (Bild links). Eine Plakatausstellung im Foyer infomierte über Komplementärwährungen, wobei auch Plakate des Bildungsprojektes neuesgeld.com ausgestellt wurden. Zum Einstieg in das Thema wurde der Film "Der Schein trügt" von Claus Strigel, Denkmalfilm München, im Goetheanum vorgeführt.

Mut zum Umdenken - Bürgergeld bewusst gestalten

Als Treffpunkt für Interessierte und Engagierte konzipierten Otmar Donnenberg und Ulrich Rösch die Tagung "Geld - global und regional, von oben und von unten" der Sektion für Sozialwissenschaften am Goetheanum in Dornach bei Basel in der Schweiz. "Wie beweglich sind wir im Denken?" fragte Otmar Donnenberg einleitend zur dreiteiligen Tagungsreihe und animierte die TeilnehmerInnen, die u.a. aus Frankreich, Deutschland, Österreich und Ungarn angereist waren, zum Fragen stellen unter dem Motto "Forschungsfragen - forsche (im Sinne von herausfordernden) Fragen".

 

Über "Finanzkrise und Geld - ein Denkanstoß" referierte Paul Mackay (Bild links) am Eröffnungsabend - hier in der Bildmitte mit den beiden Tagungsorganisatoren Ulrich Rösch (links) und Otmar Donnenberg (rechts). Über komplementäres Geld als Instrument nachhaltiger Regionalentwicklung hinsichtlich der Chancen von Zweitwährungen informierte Veronika Spielbichler, Obfrau des Unterguggenberger Institutes Wörgl, im Bild rechts mit Ulrich Rösch und Otmar Donnenberg, der die Tagung auch moderierte.

Paul Mackay: Finanzkrise und Geld - ein Denkanstoß

Die Finanzkrise habe ungesunde Strukturen in der Geldwirtschaft aufgezeigt, meinte Paul Mackay, Aufsichtsratvorsitzender der GLS Bank und Leiter der Sektion für Sozialwissenschaften am Goetheanum in seinem Eröffnungsreferat. Die Finanzindustrie habe zu viel Geld in Vermögenswerte transferiert und damit Scheinwerte geschaffen. Als Schlussfolgerung daraus forderte er vermehrt auf die Kreditwürdigkeit und Sicherheiten bei der Kreditvergabe zu achten.

Paul Mackay zitierte die klassischen drei Geldfunktionen Recheneinheit, Tauschmittel und Wertaufbewahrungsmittel und ging auf den Geldbegriff bei Rudolf Steiner, dem Begründer des Goetheanums ein: "Geld ist realisierter Geist." Rudolf Steiner sah Geld als Weltbuchhaltung. Die Deckung des Geldes liege in den Fähigkeiten der Menschen und deren Umsetzung. Aus der Verwendung des Geldes unterscheide die Antroposophie zwischen drei Geld-Kategorien: Kaufgeld, Leihgeld und Schenkgeld. In der Praxis gehe es darum, auf eine Ausgewogenheit dieser drei Geld-Kategorien zu achten.

Veronika Spielbichler: Chancen von Zweitwährungen

Was können Zweitwährungen leisten? Veronika Spielbichler vom Unterguggenberger Institut Wörgl informierte über bestehende Komplementärwährungen und schilderte eingangs die Wirkungen des historischen Wörgler Freigeld-Experimentes 1932/33, mit dem mithilfe von Schwundgeld nach der Idee Silvio Gesells die Regionalwirtschaft erfolgreich belebt wurde. Die Gemeinde finanzierte mithilfe der Arbeitswertscheine ein Infrastruktur-Bauprogramm und nützte die Einnahmen aus der Umlauf- und Rücktauschgebühr als Sozialabgabe für die Armenfürsorge. Als Motor für den Geldumlauf wirkte nicht wie im heutigen Geldsystem der Zinseszins, sondern eine monatliche Gebühr. Das Wörgler Freigeld-Experiment war aber keine dogmatische Aktion gegen das Zinsnehmen: Kredite aus der Schilling-Deckung der Arbeitswertscheine wurden an Wörgler Geschäftsleute mit 6 % Zins vergeben. Da die Raiffeisenkasse auf Einnahmen aus der Nothilfe-Aktion der Gemeinde verzichtete, landete auch dieser Zins in der Gemeindekasse für die Armenfürsorge.

Aufbauend auf die Freigeld-Idee besteht seit 2005 in Wörgl das Jugendprojekt I-MOTION, das Zeitwertkarten als Währung für Jugendliche verwendet (Info www.i-motion-woergl.at). Wie damals beim Freigeld ist auch bei der Jugend-Komplementärwährung die Stadt Träger des Systems. Im Gegensatz dazu sind üblicherweise Komplementärwährungen heute sonst als Vereine oder Genossenschaften organisiert. Wobei die Chancen von Zweitwährungen besonders in der Nahversorgung mit Lebensmitteln und erneuerbarer Energie sowie Betreuungsdiensten liegen. Komplementärwährungen schaffen vernetzte Strukturen, stärken Sozialkompetenzen und unterstützen regionales, nachhaltiges Wirtschaften.

Dahinter steht ein Menschenbild, das zu autonomem, selbstbestimmtem Tun anregt und durch Förderung persönlicher Fähigkeiten und deren Wertschätzung einen wichtigen Beitrag zur psychischen Gesundheit und zum Wohlbefinden leistet. Nach Jahrzehnten kapitalistischer Konkurrenzwirtschaft, deren Motor Angst ist, bieten gemeinnützige Zweitwährungen die Chance, andere gesellschaftliche Werte in den Vordergrund zu bringen: Kooperation und eine Neubewertung des Arbeitsbegriffes. 

In welchem gesellschaftlichen Kontext stehen Komplementärwährungen am Beginn des 21. Jahrhunderts? Das bestehende Geldsystem bewirkt aufgrund der Umverteilung von Arm zu Reich einen Rückfall in den Feudalismus und untergräbt aufgrund der Konzentration von Geld und Vermögen sowie Produktionsmitteln bei wenigen Menschen die Demokratie. 

Komplementärwährungen sind ein Baustein, die Dynamik dieses gesellschaftlichen Prozesses hin zu mehr Verteilungsgerechtigkeit und damit Chancengleichheit zu verändern. Sie sind aber nicht der alleinige Ansatzpunkt. Eine Erneuerung der Finanzmarktregeln und wirksamere Kontrolle wie von ATTAC seit Jahren gefordert zählen ebenso dazu wie eine entsprechende Steuerpolitik der Staaten zur gerechten Verteilung von Wohlstand, wobei hier auch die Grundeinkommensidee zunehmend an Bedeutung gewinnt.  

Drei Modelle aus der Praxis wurden am Samstag Vormittag vorgestellt (Bild links v.l.): Hervé Dubois, Direktor für Kommunikation der WIR-Bank stellte das seit 1934 bestehende komplementäre WIR-Verrechnungssystem in der Schweiz vor, Dipl.-Soziologin und Journalistin Susanne Pühler vom Chiemgauer moderierte, Veronika Spielbichler stellte die Wörgler Jugend-Komplementärwährung I-MOTION vor und Rolf Schilling, Beauftragter für Vernetzung und Außenhandel sowie für Projektkoordination bei der Talente Genossenschaft Vorarlberg die vielfältigen Vorarlberger Talente Tauschkreis-Aktivitäten vom klassischen Tauschkreis bis hin zur Ausarbeitung des Zeitvorsorge-Modells und der Einführung von Gemeindegeldern. Bild Mitte: Christian Gelleri, Vorstand des Chiemgauer e.V. und Geschäftsführer der Chiemgauer Regio Genossenschaft, berichtete von der Entwicklung des Chiemgauer Regiogeldes. Einen Ausblick auf die Juni-Tagung gab Ulrich Rösch von der Sektion der Sozialwissenschaften am Goetheanum mit seinen "Metarmorphosen des Geldes". Am 18. und 19. Juni 2010 mit dabei:  Beuys-Schüler  Johannes Stüttgen und Hans Christoph Binswanger.

Komplementärwährungen in der Praxis:
I-MOTION Wörgl, Talente Vorarlberg, WIR-Bank Schweiz und Chiemgauer Regionalwährung

Zeitwertkarten dienen seit Herbst 2005 in Wörgl bei I-MOTION als Jugend-Zweitwährung: Jugendliche ab 12 Jahren erhalten für Hilfsdienste bei Sozialeinrichtungen, Vereinen und in der Nachbarschaftshilfe Zeitgutscheine, die mit 2,5 Euro pro Stunde bewertet sind. Bei der Stadt tauschen sie diese in Gutscheine regionaler Unternehmen  für Freizeitaktivitäten oder Einkaufen ein. "Bisher beteiligten sich am generationsübergreifenden Jugendprojekt für sinnvolle Freizeitbeschäftigung über 400 Jugendliche, wobei über I-MOTION bisher über 20.000 Euro Taschengeld ausbezahlt und im Rahmen des Sozial-Sponsorings der Aktion unterschiedliche Einrichtungen und Projekte mit rund 4.200 Zeitwertkarten im Wert von über 10.000 Euro unterstützt wurden", informierte Veronika Spielbichler und schilderte den I-MOTION-Alltag in der Praxis. Das im Rahmen der Lokalen Agenda 21 entwickelte Projekt ist seit 2008 fixer Bestandteil der städtischen Jugendarbeit.

Einen wesentlich größeren Umfang mit anderer Zielsetzung hat der Taltene-Tauschkreis Vorarlberg, in dem rund 2000 Menschen und 210 Unternehmen aktiv Güter und Dienstleistungen über die Währung Talent austauschen. Was Menschen motiviert, im Tauschsystem mitzumachen, schilderte Rolf Schilling: "Sich selbst zu leben, das machen, was Spaß macht und was man kann ist in erster Linie die Motivation - erst in zweiter Linie geht es um die Bewertung." Hier mitmachen ist mit dem Aufbau sozialer Beziehungen verbunden. Und so wird im Tauschkreis auch der Schenkaspekt gepflegt, indem nicht alles eins zu eins verrechnet wird.

Talente Vorarlberg und die Kooperation mit den Gemeinden

Besonders erfolgreich platziert der Talente Tauschkreis Vorarlberg seine Talent-Gutscheine in der Zusammenarbeit mit öffentlichen Einrichtungen. Das Land Vorarlberg nützt die Talente-Gutscheine ebenso wie die Gemeinde Langenegg. Und bald werden es noch mehr sein. Rolf Schilling: "Bis Ende Mai startet in Vorarlberg ein weiteres Gutscheinsystem und bis Ende 2010 noch weitere zwei, eines davon mit 21 Gemeinden." In der Vorreiter-Gemeinde Langenegg ist die Rechnung mit den im Mai 2008 eingeführten Gutscheinen voll aufgegangen: "Bei 1.100 Einwohnern sind wir derzeit bei einer monatlichen Abo-Summe von 10.000 Euro", freut sich Rolf Schilling über die Akzeptanz in der Bevölkerung. Im Schnitt seien 40.000 bis 45.000 Langenegger Talente in Umlauf, was einen Umsatz von 560.000 Euro generiert habe.

Angesichts steigender Sozialkosten wirbt der Talente-Tauschkreis Vorarlberg jetzt bei den Gemeinden mit einer neuen Idee: Durch eine Mitgliedschaft im Talente-Tauschkreis, der auf genossenschaftlicher Basis abgewickelt wird, können Gemeinden Talente-Budgets lukrieren und erhalten dafür einen relativ hohen, zinsfreien Schöpfungsrahmen. Damit kann wieder mehr Handlungsspielraum bei öffentlichen Aufgaben ohne Mehrkosten gewonnen werden.

 

Wertvolle Informationen über die Arbeit in der Praxis gaben Rolf Schilling vom Talente-Tauschkreis Vorarlberg und Chiemgauer-Initiator Christian Gelleri, der am Samstag Nachmittag gemeinsam mit Prof. em. Dr. Harald Spehl von der Universität Trier und Mitwirkender im Regiogeldverband-Fachbeirat, Fragen der rund 40 TeilnehmerInnen beantworteten und zur Weiterentwicklung komplementärer Währungen Stellung nahmen.

Schweizer Besonderheit: Die WIR-Bank

"WIR sind die Marmelade auf dem Butterbrot", leitete Hervé Dubois, Direktor für Kommunikation an der WIR-Bank in Basel seine Vorstellung des komplementären Verrechnungssystems WIR in der Schweiz ein, das seit 1934 besteht und als Ziel die Kaufkraftbindung an die Klein- und Mittelständischen Unternehmen verfolgt. "Das WIR-Modell besteht aus zwei Säulen: Erstens die WIR-Verrechnung als Giralsystem. Es führt systembedingt zur Solidarität zwischen den Beteiligten und zu Aufträgen, die man sonst nicht erhalten würde. Der eigentliche Motor sind aber die WIR-Kredite, die sehr billig zum Zinssatz von 1 % an die Genossenschaftsmitglieder vergeben werden", erklärt Dubois. Der Umfang der WIR-Kredite liegt bei 800 Millionen CHW. Der WIR wird 1:1 zum Franken gerechnet, kann aber nicht in Franken gewechselt werden.

Ein WIR-Verrechnungssystem wie in der Schweiz ist allerdings aufgrund der gesetzlichen Grundlagen in anderen europäischen Staaten derzeit nicht möglich. In Deutschland verbietet es das Kreditwesengesetz. Warum funktioniert also in der Schweiz, was woanders nicht geht? "Unser Glück war die Banklinzenz, die vom WIR-Wirtschaftsring schon zwei Jahre nach dessen Gründung 1936 verlangt wurde. Die Sache war den Behörden suspekt, und so gewährleistete man, dass die WIR-Verrechnung der eidgenössischen Bankenaufsicht unterstellt wurde", so Dubois.

Nach Jahrzehnten reiner WIR-Verrechnung wurde die WIR-Genossenschaft in den 1990er Jahren zur Bank, die auch mit Franken arbeitet. "Aus zwei Gründen - einerseits wurde angesichts unserer Größe ein weiteres Geschäftsfeld ratsam und zum Zweiten forderten uns die WIR-Kunden dazu auf, weil sie in der Regel außer dem WIR- auch einen Frankenkredit benötigen. Alles aus einem Haus vereinfacht die Bürokratie und die Abwicklung", erklärte Dubois. Und so ist heute die Schweiz das einzige Land Europas mit zwei ausgewiesenen offiziellen Währungen: Dem CHF Schweizer Franken und dem CHW, dem "WIR-Franken". Der WIR-Umsatz macht derzeit rund 1,6 Milliarden CHW aus, wobei mit 60.000 Klein- und Mittelbetrieben 20 % der Schweizer KMU´s mitmachen.

Würde es Sinn machen, dass sich noch mehr Teilnehmer am WIR-Verrechnungssystem beteiligen? Der Zweckartikel in der Satzung der Genossenschaft macht klar, dass Private ebenso draußen bleiben wie der Staat: "Ziel ist die Förderung der KMU´s. Und damit der WIR als Marketing-Instrument noch interessant ist, liegt die Grenze bei 25 bis maximal 28 % der Unternehmen der Zielgruppe", so Dubois. Für die, die mitmachen, lohnt es sich offenbar. Während in wirtschaftliche guten Zeiten WIR-Umsätze zurückgehen, sorgen steigende Umsätze in schlechten Zeiten für Umsatz.

Die Weiterentwicklung des Regiogeldes am Beispiel des Chiemgauers

Deutschlands größte Regiogeld-Intiative, der Chiemgauer, wurde 2003 als Schülerunternehmen an der Waldorfschule Prien a. Chiemsee auf Initiative des jungen Wirtschaftslehrers Christian Gelleri ins Leben gerufen. Die Idee begeisterte zunehmend Menschen und so folgte der Vereinsgründung 2005 bereits 2007 die Gründung der Genossenschaft Regio eG, die auch den Sterntaler abwickelt. Zwischen den beiden Regiogeldern Chiemgauer und Sterntaler im benachbarten Berchtesgadener Land gilt eine 1%ige Umtauschgebühr.

Der Chiemgauer kommt durch einen 1:1 Kauf gegen Euro in Umlauf und beinhaltet in seinem Konzept Schenkgeld: "3 % sind bei jedem Gutscheinkauf der Bonus für einen sozialen Zweck", schildert Christian Gelleri die soziale Komponente des Regiogeldes, das aufbauend auf die Gutscheine und das damit forcierte lokale Austauschsystem bereits in elektronischer Form umläuft. Wobei rund zwei Drittel des Chiemgauer Umlaufes bereits in elektronischer Form erfolgt.

Wie eine Weiterentwicklung des Regiogeldsystems aussehen könnte, skizzierte Christian Gelleri folgendermaßen: "Dezentrale Regiogeld-Systeme könnten über eine zentrale Institution zusammenarbeiten, die als Dienstleister fungiert - ein polyzentrischer Monismus." Im Unterschied zum herkömmlichen, hierarchisch organisierten Geldsystem würde so eine vernetzte Währungslandschaft entstehen.

In der Dreigliederung des Regiogeldes schaffte der Chiemgauer nach dem Regiogeld als Schenkungsmittel für soziale Zwecke und als regionales Zahlungsmittel heuer auch noch den dritten wichtigen Schritt: Regionalgeld als Investitionsmittel. Christian Gelleri: "Seit heuer können Chiemgauer zum Sparen in Form von Genossenschaftsanteilen verwendet werden. Zudem gibt es zinsfreie Mikrofinanzierungen an Unternehmen im Netzwerk, die bis zu 20.000 Chiemgauer ausmachen und in Zusammenarbeit mit der GLS-Bank vergeben werden." Wie die Kreditvergabe funktioniert, darüber berichtete auch das OBV online.

Erfolgskomponenten für Komplementärwährungs-Initiativen

Was lässt  Komplementärwährungs-Initiativen gelingen? Auch dazu gab´s Tipps fürs Gelingen von den Praktikern: "Als magische Größe, die ich bei mehreren Initiativen bemerkte, hat sich die Anzahl von 30 Aktiven herauskristallisiert", berichtet Rolf Schilling. Das Vorhandensein "sozialer Wärme" in bestehenden Gemeinschaften begünstige die Erfolgsaussichten ebenso wie ein weiterer Aspekt, meint Christian Gelleri: "Wichtig ist die Motivation der Regiogeld-Macher. Die muss passen." Als gute Startbasis diente beim Wörgler Jugendprojekt ein Lokale Agenda 21 Bürgerbeteiligungs-Prozess, in den die Gemeindepolitik ebenso eingebunden war wie die Schulen.

Die abschließende Frage-Runde richtete sich an Christian Gelleri und Univ.Prof. em. Dr. Harald Spehl, der sich an der Uni Trier mit Endogener Regionalentwicklung befasste und jetzt im Fachbeirat des Regiogeldverbandes mitwirkt. Dabei ging es um praktische Abwicklung im Regiogeld-Alltag ebenso wie um rechtliche Fragen und Software-Lösungen.

Prof. Dr. Harald Spehl: "Sind Komplementärwährungen Kinder der Not oder Keime der Zukunft?"

"Regiogelder können Katalysatoren für endogene Regionalentwicklung sein, sie sind aber kein Selbstläufer", stellte Prof. Dr. Harald Spehl fest. Eine positive Wirkung fürs Gemeinwohl können sie aber nur entfalten, wenn sie einen Platz in der Finanzarchitektur der Zukunft erhalten. Dass diese bestenfalls aus drei Ebenen  - Regionalwährungen, nationale bzw. supranationale Währungen wie Dollar und  Euro sowie aus einer Welt-Verrechnungswährung bestehen soll, werde schon lange propagiert. Für eine Weltwährung losgelöst von nationalen Interessen plädierte bereits John Maynard Keynes 1944 in Bretton Woods, ebenso wie in jüngerer Zeit der belgische Finanzfachmann Bernhard Lietaer. Für eine neue, von einer Nationalwährung entkoppelte Weltwährung sprechen sich zudem immer mehr Staaten aus - u.a. in Südamerika, aber auch der IWF. Verhindert werde eine derartige Lösung noch von den USA.

Komplementärwährungen seien in der Lage, auch mit gezielt eingesetzten kleinen Geldmengen großen Nutzen zu stiften, so Spehl.

Im Wissenschafts-Betrieb der Nationalökonomie ist diese Erkenntnis noch nicht aufzufinden. Die Reformbedürftigkeit dieses Wissenschaftszweiges untermauerte schließlich noch die Antwort von Prof. Dr. Spehl auf eine Publikumsfrage: "Die Weltwirtschaft ist komplexer als viele denken. Die Darstellung der bisherigen Lehre ist nur deshalb so einfach, weil sie falsch ist."

Eine gute Gelegenheit, über Geld und Wirtschaft zu reflektieren, bietet übrigens die Fortsetzung der Tagungsreihe am Goetheanum!

Das Goetheanum beschäftigte sich bei dieser Tagung erstmals mit dem Thema Komplementärwährungen - Regionalgeld. Um nicht nur den Geist, sondern auch den Körper in Bewegung zu bringen, animierte am Samstag Nachmittag Michael Rein mit seinem "Expressiven Intermezzo" zu sozialkünstlerisch-praktischen Übungen - wie wird ein Impuls in der Gemeinschaft aufgenommen und weitergegeben? Mit Klatschen lässt sich soziale Interaktion ebenso üben wie mit Ballspielen und Rhythmusübungen (Bild rechts - u.a. zu sehen: Franz Galler, 1. Vorstand der RegioSTAR-Genossenschaft als 2. v.l. und Jörn-Derek Gehringer vom Regiogeldverband-Vorstand als 3.v.l.).

 

  

Zur Tagung reisten u.a. mit Michael Knecht und Karl-Heinz von Bestenbostel zwei Vertreter der ältesten aktuellen deutschen Regiogeld-Initiative Roland aus Bremen an (Bild links). Bild Mitte: Jens Martignoni, der sich in seiner Masterarbeit derzeit damit beschäftigt, wie Gemeinden Komplementärwährungen für öffentliche Aufgaben nützen können, und Ursula Dold, Präsidentin von Talente Schweiz. Bild rechts: Neue Wege im Wohn- und Siedlungsbau in Kombination mit der Einsatzmöglichkeit von Komplementärwährungen interessierten Reiner Kroll (Bild rechts) aus Aichstetten bei Freiburg.

Weitere Bilder von der Tagung "Geld - regional und global" sehen Sie hier in der Galerie

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