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Energie-gedeckte Währung zur Schaffung nachhaltigen Wohlstandes

Mehr Demokratie mit "Energy Dollars" - Dr. Shann Turnbulls Vision


Als "funny money" - weil nicht durch einen realen Gegenwert gedeckt - bezeichnet der australische Vordenker Dr. Shann Turnbull Währungen wie Dollar und Euro. Bevor er am Samstag, 4. Februar, die Festansprache bei der Gründungsversammlung des Regio-Verbandes in Traunstein hielt, besuchte er mit seiner Familie Wörgl, um sich hier über das historische Wörgler Freigeld, die heutigen Komplementärwährungs-Aktivitäten und das Unterguggenberger Institut zu informieren.

Die Schwachstellen des kapitalistischen Systems bildeten für den Australier bereits in den 70er Jahren den Anstoß, sich damit auseinanderzusetzen und nach neuen Methoden zu suchen, nachhaltig den Wohlstand zu demokratisieren, also unter allen Menschen zu verteilen. Der zentrale Angelpunkt für ihn ist dabei der Begriff des Eigentums. Nach dem Motto "share power to keep it" sieht er Eigentum bei den Benützern richtig situiert. Sein Ansatzpunkt beim Geld: ein Umbau vom jetzigen starren, zeitlosen und exklusiven Geld-Begriff hin zu einem dynamischen, zeitlich begrenzten und alles beinhaltenden System. "Anybody can create it" lautet seine Devise.
Basierend auf dieser Grundhaltung setzt er bei regionalen Lösungen an und entwarf seine "Energy Dollars": "Ten Kilowatt Dollars" steht auf seinen 1992 gedruckten Scheinen, die mit erzeugter Energie im Gegenwert von 10 Kilowatt gedeckt sind. Verwirklicht wurde seine Idee, damit erneuerbare Energien zu fördern, noch nicht. Die Idee: Leute kaufen sich ihren Energiebedarf für fünf Jahre im Voraus und leisten so die Vorfinanzierung Für ihre eigene Energieversorgung. Zurück gezahlt wird mit Energie, wobei die Gutscheine aufgrund der Inflation an Wert gewinnen und wie ein Wertpapier gehandelt werden könnten.
Mit dem Schein erwirbt man Anspruch auf die Lieferung von Energie und erhält damit einen realen Gegenwert.

Regionalentwicklung liegt auch dem Städteplaner Dipl.-Ing. Kay Voßenhenrich am Herzen. Er engagiert sich für das Regio-Projekt "the livingcity network", die Einführung einer Regionalwährung in Weimar und arbeitet bei MoNa, dem 2005 gegründeten Forschungsnetz für monetäre Nachhaltigkeit mit. Er kam am 4. Februar ebenfalls nach Wörgl.

   
Dr. Shann Turnbull informierte sich übers Wörgler Freigeld und die Weiterentwicklung der Idee mit der Wörgler Jugend-Komplementärwährung "I-MOTION". Vernetzung der Ideen - hier beim Gespräch Nevio Da'Jerof und Veronika Spielbichler vom Unterguggenberger Institut, DI Kay Voßhenrich und Dr. Shann Turnbull mit Familie. Im Bild rechts sind die "Energy Dollars" abgebildet.
   

In Buch "Building Sustainable Communities" beschreibt Dr. Shann Turnbull neue Methoden, um Wohlstand zu verteilen. Weitere Autoren des Buches sind George Benello und Robert Swann, Gründungspräsident der E.F.Schumacher-Society. Dr. Shann Turnbull, Da'Jerof und DI Kay Voßhenrich (Foto Mitte v.l.) beim Treffen in Wörgl sowie im Wörgler Heimatmuseum (rechtes Bild), in dem das historische Wörgler Freigeld-Experiment dargestellt ist. Interesse weckten auch die Wörgler Kerbhölzer, mit denen die Dorfgemeinschaft bis 1860 die für die Gemeinschaft zu entrichtenden Arbeiten organisierte - sozusagen eine Natural-Steuerbuchhaltung.

   

Beim Besuch im Wörgler Heimatmuseum: Dr. Shann Turnbull, Veronika Spielbichler und Da Jerof vom Unterguggenberger Institut. "A New Way to Govern" titelte der australische Autor Dr. Shann Turnbull seine jüngste Veröffenltichung, die auch via Internet in der elektronischen Bibliothek des virtuellen Think-Thanks der "Capital Ownership Group" gelesen werden kann. Sein erstes Buch (rechts) erschien 1975 und wurde mit Unterstützung der Ford Foundation digitalisiert und abrufbar ins Internet gestellt.

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