Kommentare (0)

Quelle: http://www.arge-gerecht-wirtschaften.at/downloads/waehrungspolitischemanahmen.pdf

Vorschläge für neue währungspolitische Maßnahmen
zur Bewältigung der Finanz- und Wirtschaftskrise


Die schweren finanz- und wirtschaftspolitischen Herausforderungen, vor denen wir stehen, waren seit langem
vorhersehbar. Sie sind auch vorausberechnet worden, nur wurde und wird den warnenden Stimmen und
Lösungsvorschlägen bis heute nicht ausreichend politisches Gehör geschenkt.
Als erster Schritt könnte schon viel erreicht werden, wenn zumindest die Forderungen von Bewegungen wie Attac
zügig umgesetzt würden: Kapitalverkehrskontrollen, Schließung der Steueroasen, stärkere Besteuerung der
Kapitaleinkünfte, usw.
Es wird aber nicht reichen, den Geldverkehr stärker zu kontrollieren und Einkommen aus Geldvermögen effizienter
zu besteuern, weil schon die Funktionsweise der heutigen Währungen längerfristig schwerwiegende Probleme mit
sich bringt: überbordendes Wachstum der Geldvermögen und Schulden, Umverteilung von Arm zu Reich,
Wachstumszwang der Wirtschaft, Schuldenfallen,...
Wir schlagen daher dringend folgende währungspolitische Maßnahmen vor. Einige davon könnten sofort auf
kommunaler, regionaler und nationaler Ebene umgesetzt werden.


Währungspolitischer Handlungsbedarf: Die Krise als Chance

Regional und kommunal:
Problem:
Mangel an Liquidität und Arbeitsplätzen; die Liquidität fließt in die kapitalkräftigen Zentren und zu den großen
Kapitalinhabern ab
Lösung:
Förderung von Regionalwährungen und Tauschkreisen (siehe z.B. www.timesozial.org )
Wirksamkeit:
beleben die regionale Wirtschaft, da weniger Kaufkraft aus der Region abfließt; fördern die wirtschaftliche
Kreativität, wodurch zusätzliche Arbeitsplätze entstehen; der Grad der Wirksamkeit hängt von der Anzahl der
Beteiligten ab (vergleiche Telefonanschlüsse)
Kommentar:
Funktionierende Regionalwährungen und Tauschkreise können zur wirtschaftlichen Stärkung und größeren
Unabhängigkeit einer Region (z.B. Bezirk) Wesentliches beitragen. Sie können auch in Zeiten von
Währungszusammenbrüchen die Auswirkungen abmildern. Sie können aber kein Ersatz für einen sozial- und
umweltgerechten Umbau der nationalen Währungen sein.


Österreich:
Problem:
Weitere Überschuldung des Staates durch sog. Bankenhilfspakete und diverse zusätzliche Subventionen und
Förderungen; der steigende Schuldendienst geht auf Kosten dringender sozial- und umweltpolitischer Maßnahmen
Lösung:
Ausgabe von Taxos (Steuergutschriften) als Komplementärwährung zum Euro statt Staatsanleihen bei den
Geschäftsbanken (siehe http://www.taxos.info/taxos.html)
Wirksamkeit:
der Schuldendienst des Staates wird gemildert, sein politischer Handlungsspielraum erweitert
Kommentar:
Die Taxos würden eine zinsfreie Komplementärwährung auf nationaler Ebene darstellen, die dem Staat hilft, der
Schuldenfalle zu entkommen und angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise Zeit für Reformen zu gewinnen. Sie
sind eine Übergangsmaßnahme bis zur Einführung eines Vollgeldsystems, das ohne multiple Kreditgeldschöpfung
und Reinzins auskommt (siehe nächster Punkt).


Eurozone:
Problem:
Heutige Währungen, auch der Euro, sind so konstruiert, dass sie systembedingt eine Reihe von negativen
Auswirkungen mit sich bringen, wie Schuldenfallen, Umverteilung von Arm zu Reich und wirtschaftlichen
Wachstumszwang. Die Ursachen liegen in der multiplen Kreditgeldschöpfung verbunden mit dem
Zinseszinsmechanismus.
Lösung:
Grundlegende Reformen im Bereich der Geldschöpfung und des Geldumlaufs durch
a) die Einführung von Vollgeld (keine Geldschöpfung durch private Geschäftsbanken, Schaffung einer
unabhängigen monetären Staatsgewalt, siehe u.a. die Vorschläge von Joseph Huber in
http://www.soziologie.uni-halle.de/publikationen/pdf/0405.pdf bzw. www.monetative.de ) und
b) durch Maßnahmen, die den Geldzins dauerhaft um Null pendeln lassen (evt. durch eine Umlaufgebühr im
Sinne von Helmut Creutz u.a., verschiedene Texte zum Herunterladen unter www.geldreform.de )
Um den Übergang in das neue System möglichst problemlos zu gestalten, könnte es zunächst als Parallelwährung
zum Euro eingeführt werden. Jede Bank wäre verpflichtet, zusätzlich zu Euro-Konten auch Konten für die neue
Währung zu führen (siehe die Vorschläge für die Einführung von Neutralgeld im Buch von Suhr und Godschalk:
Optimale Liquidität, Frankfurt a. M. 1986).
Wirksamkeit:
Damit wäre eine wichtige Rahmenbedingung für eine harmonischere Wirtschaftsentwicklung geschaffen, da der
währungsbedingte Wachstumszwang der Wirtschaft und die zinsbedingte Umverteilung von Arm zu Reich
wegfiele. Der Staat müsste sich nicht bei Privaten verschulden. Die Geldschöpfung könnte auch mit der Einführung
eines Grundeinkommens gekoppelt werden. Da das derzeitige Währungssystem in absehbarer Zeit
zusammenbrechen wird, würde durch die bereits vorhandene neue Währung die Chance enorm erhöht, die
negativen Auswirkungen des Crashs auf die Realwirtschaft auffangen zu können.


Global:
Problem:
Globale Dominanz und Krise des US $, Benachteiligung der Länder mit schwachen Währungen gegenüber denen
mit starken, Auslandsschuldenlast der armen Länder, Crash des US $ reißt andere Währungen mit sich
Lösung:
Einführung einer Weltwährung zusätzlich zu den bereits vorgeschlagenen Währungen auf nationaler und regionaler
Basis, zur gerechteren Abwicklung des internationalen Handels; in Anlehnung an die Vorschläge von Keynes
(„Bancor“, siehe Tobias Plettenbacher, Neues Geld Neue Welt, planetVerlag, Wien 2008, kostenloser Download
unter www.neuesgeld.com/getfile.php?id=192 , S. 29) und Richard Douthwaite (Ecology of Money,
www.feasta.org, Download auf Englisch und Deutsch) bzw. Hans Peter Aubauer („Ressourcenwährung“,
www.clubofvienna.org/website/output.php?idfile=736)
Wirksamkeit:
Ermöglicht einen rechtzeitigen Ausgleich bei starken wirtschaftlichen Ungleichentwicklungen zwischen den
Staaten, weil nicht nur die Schuldnerländer sondern auch die Überschussländer für den Abbau der wirtschaftlichen
Kluft verantwortlich gemacht würden. Gerechtere Verteilung der Ressourcennutzung. Daraus resultierend weniger
Wirtschaftskrisen und weniger Kriegsgefahren.
Die genannten Reformvorschläge sind eine große gesellschaftspolitische Herausforderung, weil zur Zeit die
wirtschaftliche Ausbildung und Wissenschaft auf das Dogma vom unbegrenzten Wirtschaftswachstum
programmiert ist. Es sind daher sofort ausreichend alternative Ausbildungs- und Forschungseinrichtungen zu
schaffen, die die oben vorgeschlagenen Maßnahmen weiter entwickeln und umsetzen helfen.


Marianne und Franz Schallhas Juni 2009
www.arge-gerecht-wirtschaften.at

Quelle: http://www.arge-gerecht-wirtschaften.at/downloads/waehrungspolitischemanahmen.pdf

Nicht angemeldet.