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ATTAC-Sommerakademie von 15.-19. Juli 2009 - Positionspapier Geldreform

In einer arbeitsteiligen Gesellschaft sind alle Menschen auf Geld angewiesen und als Steuerzahler
gezwungen dieses Zahlungsmittel zu verwenden. Das ist besonders infam....denn...

Unser derzeitiges Geld ist nicht neutral! Es bevorzugt die Reichen und benachteiligt die Armen.
Das allein ist ausreichend Grund, es in seiner derzeitigen Form als undemokratisch und mit der
Verfassung nicht vereinbar abzulehnen.

Dieses Geld ist als Wertmaßstab und als Recheneinheit schlecht geeignet, da es weder geeicht, noch
auf einen Warenkorb bezogen eine fixe Größe hat. Davon geht eine ungeheure Verunsicherung aus
und in alle Bereiche der Gesellschaft über, die uns nicht bewusst ist.

Die Umverteilung von den ZinszahlerInnen zu den BesitzerInnen zinstragender Guthaben ist anfangs
kaum spürbar, wächst aber mit der Zeit immer schneller und stärker nach der exponentiellen Kurve
des Zinseszinses. Ausgehend von den zinstragenden Guthaben kommt ein Zwang zu Neuverschuldung
und Wachstum in die Wirtschaft, sodass es nur eine Frage der Zeit ist, wann diese zusammenbricht.

Wenn die zu verzinsenden Guthaben so groß geworden sind, daß sie trotz Ausbeutung der Arbeitenden,
Effizienzsteigerung durch Technik, Plünderung der Naturressurcen und Plünderung der Staatskassen
(z.B. durch Schuldendienst) nicht mehr hinlänglich bediehnt werden können, hat die Krise begonnen!
Sie ist das "normale" Funktionieren einer kapitalistischen Wirtschaft in der Spätphase eines Zyklus.
Es folgen üblicherweise Hyperinflation, um die gigantischen Staatsschulden und privaten Vermögen abzutragen,
dann Krieg und Zerstörung (der Vater aller Dinge), dann ein Währungsschnitt und schon kann das Spiel
neu beginnen mit Wiederaufbau....etc....

So etwa funktioniert kapitalistisches Wirtschaften ..........ein idiotisches Spiel...finde ich!

Ich habe einen Wunsch: Ich möchte in einer sozialen, demokratischen und ökologischen
Weltgesellschaft mit deutlich
gerechterer Verteilung von Lebenschancen und Gütern leben!
 
3 Voraussetzungen sind meiner Meinung nach wichtig, dass dieser Wunsch in Erfüllung gehen kann.

1) Bewusstseinswandel .....Wir haben nicht ein Problem, sondern wir sind das Problem!!!
Ca. 5000 Jahre Patriarchat sind es, die uns mit Wahrnehmungsgewohnheiten, Glaubenssätzen, Tabus
und Denkroutinen wie in einer kollektiven Hypnose in der Angst zu halten versuchen.
Angst ist das wichtigste Gefühl, damit Herrschafts-, Unterdrückungs- und Ausbeutungsmacht in Amt und
Würden bleiben kann. Wenn wir in diesem 3. Jahrtausend die neuen Tugenden von spielerischer
Leichtigkeit und partnerschaftlicher Kooperation von Frauen und Männern, Synergie, etc. erreichen und
in der Gesellschaft aktivieren, wird uns eine Konfrontation mit der Angst nicht erspart bleiben. Ich glaube,
dass aus spiritueller Sicht da vielleicht der Sinn der Krise ist, dass jede/r Einzeln von uns konfrontiert werden
wird mit seiner/ihrer größten Angst. Das Illusionäre darin zu Erkennen mag nötig sein, um aus der zu eng
gewordenen alten Haut zu schlüpfen. Die positiven Errungenschaften der zu Ende gehenden patriarchalen
Phase sind die Entwicklung des "autonomen Ich" und detailierte Erkenntnisse über die materielle Welt.
Die Elektrotechnik wird weiterentwickelt und mit Gravitationsforschung ergänzt werden, die Verbrennungs-
kraftmaschine ist ein aussterbender Saurier.

2) Geldreform
.....Das derzeitige Geld ist die bisher verfeinertste und bestverschleierte Form der
alten patriarchalen Vorstellung von Macht und Ausbeutung!
In dem Maß, wie wir lernen aus dem "Herren und Sklaven"- Bewusstsein auszutreten,
ändert sich auch das Geld (z.B. sichtbar an der Komplementärwärungsbewegung)
Wenn wir in einer partnerschaftlichen Gesellschaft das Wort Demokratie viel weitergehend mit Bedeutung
füllen werden, dann werden wir auch das dazupassende Geld schaffen. Das könnte vielleicht so aussehen:

1. Geld wird verteilungsneutral sein!
...das kann erreicht werden, indem durch eine Benutzungsgebühr das Geld mit Waren und Dienstleistungen
   auf gleiche Ebene gestellt wird. Der Vorteil, den Geld derzeit gegenüber allen anderen Dingen hat---sich
   nicht anbieten zu müssen und in der Zwischenzeit auch noch zu wachsen, kann ihm genommen werden
   mit einer sog. Demurrage oder Geldhaltekosten. Die Einnahmen daraus gehen an die Staaten.
2. Geld wird wertstabil sein der - Wert ist über einen Korb Waren definiert und die Zentralbanken haben
   den Auftrag und direkte Steuermittel den Wert stabil zu halten.
3. Geld wird zu 100% von Zentralbanken geschöpft und zinsfrei an die Geschäftsbanken vergeben.
   Diesen wird die Möglichkeit der Giralgeldschöpfung aus privatem Profitstreben genommen.

Geldtheorie muß natürlich behutsam erprobt und in der Praxis korrigiert und feineingestellt
werden.
Ob sie grundsätzlich funktioniert wie beabsichtigt, zeigt sich, wenn Zinsen unter Null liegen oder um Null
pendeln. Das hieße dem Raubtierkapitalismus einen Reißzahn gezogen....und der zweite folgt sogleich!

3) Bodenreform.....Eine genauso wichtige Vorausetzung für ein zukunftsfähiges Wirtschaftssystem liegt
beim Bodenrecht.
Boden ist wie Licht, Luft und Wasser ein Gut, das kein Mensch produzieren kann...es sind Geschenke der Natur...
und jeder Mensch ist darauf angewiesen für Wohnen, Nahrung, Verkehr...praktisch jede wirtschaftliche Tätigkeit.
Auf diese naturgegebenen Güter müssen alle Menschen gleichberechtigten Anspruch haben, andernfalls sind wir
in einer Erpressersituation. Das derzeitige römische Recht mit privatem Grundbesitz kann durch ein Vorkaufsrecht
der Staaten innerhalb 1-3 Generationen in öffentlichen Besitz überführt werden und in Zukunft nur noch langfristige private Nutzungsrechte verpachtet werden.

Die Einnahmen aus Bodennutzung und Geldnutzung sind eine ideale Finanzierungsquelle für ein bedingungsloses Grundeinkommen.

Autor: Stefan Zoklits

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