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Coinstatt-Brief Nummer 22: WO GIBTS DENN SOWAS

Coinstatt-Brief Nummer 22: WO GIBTS DENN SOWAS

Wie immer, wenn Krisen die Laune der Menschen verderben, setzen die
Medien noch eins drauf: der schlechten Nachrichten sind schnell zu
viele! "Bank" oder "Banker" hat gute Chancen zum Schimpfwort des Jahres
gewählt zu werden Dabei gibt es auch immer mehr Banken, die "es" anders
machen.

Innerhalb des Geld- und Finanzsystems nehmen Banken fraglos eine
zentrale Stellung ein, indem sie den Geldumschlag zwischen Gebern und
Nehmern von Krediten regulieren. Diese Funktion wahrzunehmen, bedeutet
der Wirtschaft neutral und ohne Eigennutz zu dienen. "Wie bitte?",
werden Sie fragen. "Die Banken sind in ihren Geschäften doch nicht
neutral und frei von Eigennutz. Im Gegenteil: Sie legen es mit allen
Mitteln auf stolze Renditen an." Das stimmt, wenn man sich die meisten
der weltweit tätigen Banken etwas genauer ansieht. Man erkennt dabei
allerdings auch, wohin es führt, wenn Banken ihre Neutralität verlieren
und selbst zu Wirtschaftsunternehmen werden: Die Welt wurde an den Rand
des ökonomischen Zusammenbruchs geführt, weil man glaubte (und glaubt)
mit Geld handeln und Geld verdienen zu können, wie mit Brötchen oder
Fahrradventilen. Mit der Zeit haben sich die Banken darauf verlegt, die
"Ware Geld" für einen möglichst hohen Preis zu handeln, was dazu geführt
hat, dass die Angelegenheiten des Geldes nicht mehr der Wirtschaft
dienen, sondern mehr und mehr nur noch sich selbst.

Es geht aber auch anders. Wie mit dem kleinen, gallischen Dorf ist es
auch mit den Banken. Mit allen Banken? Nein, eine (noch) kleine Zahl an
Banken geht andere Wege, trägt den Erfordernissen unserer Gegenwart und
der eigentlichen Funktion des Geldes Rechnung, indem dem ganzen
spekulativen Wahnsinn ein sozial angemessener, gerechter Ansatz entgegen
gestellt wird.

Zwei "Paradebeispiele" sind in diesem Zusammenhang die Gemeinschaftsbank
in Bochum (Bilanzvolumen 1 Mrd. Euro, genossenschaftlich organisiert,
keine spekulativen Geschäfte, offene Kreditvergaben usw.) und die
WIR-Bank in der Schweiz (Bilanzvolumen 3 Mrd. Franken, weltweit größte
Komplementärwährung, ebenfalls genossenschaftlich organisiert usw.). Zu
erwähnen sind ohne Anspruch auf Vollständigkeit ebenfalls die JAK-Bank
in Schweden, die grundsätzlich ohne Zinsen arbeitet (sic!), sowie die
Ecobanken (ebenfalls Schweden), die Banka Etica (Italien), die Cultura
Bank (Norwegen), die Ecological Building (Großbritannien), die Freie
Gemeinschaftsbank (Schweiz), die Merkur Bank (Dänemark) und die Triodos
Bank (Niederlande) und die Umweltbank (Deutschland). Zusammen verfügen
diese Banken über ein Bilanzvolumen von weit mehr als 10 Mrd. Euro und
betreuen rund 200.000 Kunden. Nehmen wir noch die weltweit 4.500
Komplementärwährungen hinzu, können wir von einem insgesamt nicht mehr
zu übersehenden, wesentlichen Faktor der Finanzwelt reden. Hier werden
die Angelegenheiten des Geld- und Finanzsystems ohne Spekulation und
deshalb sachgerecht angegangen. Und bedenken Sie: Das ist erst der
Anfang einer Entwicklung, die in Zukunft weitere derartige Banken
hervorbringen wird!

Vermutlich werden schon bald viele nichtstaatliche Währungen das
notwendige und sinnvolle Äquivalent zu den wenigen, vereinheitlichten
staatlichen Währungen bilden. Die Demokratisierung des Geldes schreitet
insofern voran. Die INAISE (International Association of Investors in
Social Economy) verbindet seit 1989 als Netzwerk die größten sozial und
ökologisch orientierten Finanzinstitute. Hier wird auf professionellem
Niveau erarbeitet und vertreten, was angesichts der weltweiten Krise zur
Rettung der Weltwirtschaft unabdingbar notwendig ist und ein wirklich
neues Finanzsystem begründen kann.

Worüber die Medien als Folgen des eskalierten Finanzsystems meistens
berichten, kann uns nur verängstigen. Von dem Aufbruch zu neuen Formen
der Wirtschaft und des Bankenwesens wird weniger berichtet, obwohl es
genau darauf ankäme, denn hier liegen die Quellen für einen Mut, aus dem
man mit dem alten Kirchenlehrer Augustin sagen könnte: "Und wenn ich
wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch einen
Apfelbaum pflanzen." Dass das nichts mit Fatalismus zu tun hat wird
deutlich, wenn man sich der positiven Wirkungen von direkt und
selbstverwalteten Banken bewusst wird. Es ist möglich, Geld anders zu
nutzen und zu verwalten und auf solchen Wegen eine Welt zu schaffen, in
der auch unsere Enkelkinder noch gerne leben mögen!

COINSTATT STARTET BALD IN VELBERT

Als weitere Stadt wird bald Velbert unseren Verbund erweitern. Dort
haben wir mit den Vorbereitungen begonnen. Die ersten Geschäfte wurden
besucht und es ist wie "immer": Die Idee der eigenen, nichtstaatlichen
Währung weckt das Interesse der Geschäftsleute und einige von ihnen
werden bald auch Coinpartner sein. Freuen Sie sich mit uns darauf!

COINSTATT HAT GEBURTSTAG

Vor nun schon zwei Jahren haben wir Coinstatt aus der Taufe gehoben. Die
Zeit ist schnell vergangen und inzwischen gehören weit über 100
ausgesuchte Fachgeschäfte zu unserem Verbund. Aus diesem Anlass werden
wir in der zweiten Aprilhälfte ein Geburtstagsheft mit allen
Coinpartnern in unseren "Hauptstädten" herausgeben, das durch Aydin
Oezaydin (wieder) besonders pfiffig gestaltet wurde.

DIE GRUNDLAGEN DES COINSYSTEMS

Neben den praktischen Hinweisen und Fragestellungen, auf die wir in
unserem Onlineportal eingehen, findet sich im Downloadbereich auch ein
Text zu den "Grundlagen des Coinsystems" (Rubrik "Allgemeine
Informationen"). Darin finden Sie einige Gedanken zur Philosophie von
Coinstatt, die für die alltägliche Handhabung der Coins das Fundament
liefern.

Verfasser: Peter Krause und das Coinstatt-Team

Infos zum Regionalgeld Coinstatt auf Internet: www.coinstatt.org

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