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Regionalfonds als wertvolle Geldanlage - Investition in die eigene Zukunft

Soziale Genossenschaft RegioSTAR stärkt die Region

Regionalfonds als wertvolle Geldanlage - Investition in die eigene Zukunft

"... weil uns die Region am Herzen liegt" - so begründet die Sterntaler Regio-Initiative im Berchtesgadener Land die Gründung der Sozialen Genossenschaft RegioSTAR e.G., die 2007 im Sinne der Agenda 21 als Träger für wirtschaftliche Projekte ins Leben gerufen wurde. Damit setzten die Betreiber des seit sechs Jahren bestehenden Sterntaler-Talentetauschkreises sowie der regionalen Gutscheinwährung Sterntaler den Grundstein für eine wesentlich weitere wirtschaftliche Basis zur Regionalentwicklung.

Die Genossenschaft übernahm vom ideellen Träger STAR, Verein für organisierte Nachbarschaftshilfe, alle wirtschaftlichen Bereiche. Dazu gehört derzeit das Regiogeld Sterntaler, der Talente-Tauschkreis, sowie die Aktion zur Rettung des Mitterfeldner Dorfladens. Über die wirtschaftliche Relevanz des Regiogeldes gibt die Website www.regiostar.com bereitwillig Auskunft: So sind laut Statistik am 17. Februar 2009 42.561 Sterntaler in Umlauf. Ein Sterntaler entspricht einem Euro, wobei der Rücktausch in Euro gegen Abschlag möglich ist. Derzeit beteiligen sich 170 Unternehmen und 25 Vereine, wofür 12 Ausgabestellen zur Verfügung stehen.

Gründungsanlass für die soziale Genossenschaft war die Aktion zur Rettung des Dorfladens Mitterfelden: "Wir benötigten mindestens 25 Beteiligungen zu je 300 Euro. Nachdem wir 50 Absichtserklärungen mit 33.000 Euro beisammen hatten, nahmen wir auch noch gleich die wirtschaftliche Abwicklung des Sterntaler-Regiogeldes mit in die Genossenschaft", erklärt Franz Galler. Die Gründungskosten beliefen sich auf 5.000 Euro.

In der RegioSTAR Genossenschaft beteiligen sich bereits 85 Personen mit einer Gesamteinlage von ca. 45.000 Euro. Laut Satzung strebt die Genossenschaft durch ihr "wirtschaftliches und sozialen Zwecken dienendes Handeln eine nachhaltige Entwicklung des Gemeinwesens" an. Der gemeinschaftliche Geschäftsbetrieb soll regionale Wirtschaftskreisläufe unterstützen und gleichzeitig eine wechselseitige wirtschaftliche Förderung der Mitglieder bewirken.

Nachhaltige Geldanlage zur Regionalentwicklung

Soweit die Theorie. Was praktisch damit alles möglich wird, schilderte Franz Galler vom Sterntaler beim Regiogeld-Verbandstreffen von 13. bis 15. Februar 2009 in Vorarlberg bei der Präsentation seines Genossenschafts-Konzeptes, mit dessen Umsetzung 2009 begonnen wird. Dabei setzt er ganz pragmatisch seine Erfahrungen als Vermögensberater um und stellte dabei fest: "Es gibt einen Megatrend hin zu ethischen Geldanlagen. Immer mehr Menschen wollen wissen, was ihr Geld auf der Bank macht bzw. bestimmen was es nicht machen soll." Anstatt allerdings echter Alternativen in der Geldanlage ortet der Vermögensberater am Markt "alten Wein in neuen Schläuchen". 

Was kann er also als echte Alternative anbieten? Der sportliche Familienvater nahm sich die Philosophie von Leopold Kohr zu Herzen. "Alles was Gott vernichten will, schlägt er mit Größe". So lautet das Motto "gesund schrumpfen" auch in der Geldanlage. Statt anonymer Investments in Wachstumsmärkten irgendwo auf der Welt propagiert Galler die überschaubare und nachhaltige Geldanlage in der eigenen Region. Und die definiert sich in seinem Fall so: "Steig auf einen hohen Berg und soweit du sehen kannst, das ist deine Region.“ Konkret sind es im Berchtesgadener Land rund 100.000 Menschen.

Vorbild Mondragon und Raiffeisen

Wer hier an Kirchtumpolitik denkt - weit gefehlt! Auf der Suche nach Vorbildern schaut Franz Galler über ideologische Grenzen ebenso wie über geografische und wurde im nordspanischen Baskenland fündig: Mondragon Corporacion Cooperatiova (MCC) – die größte Genossenschaft der Welt mit 60.000 Mitgliedern und siebtgrößtes Unternehmen Spaniens - besteht seit über 50 Jahren und beeindruckte den Bayern. Die oberste Firmenmaxime lautet: Keine Entlassungen! Ein Firmenmanager darf maximal das Achtfache eines einfachen Arbeiters verdienen – und ein Teil des Gewinns wird an die Mitarbeiter ausgeschüttet und in Form einer betrieblichen Altersversorgung aufgebaut. Aus den Gewinnen fließen im Schnitt 10 % in einen sozialen Topf, 45 % in die Rücklage der Genossenschaft und 45 % in die persönliche Altersvorsorge. Wenn es der Genossenschaft schlecht geht, kann sie allerdings bis zu 70 % aus dem Vorsorgetopf zur Überbrückung entnehmen."

Das Modell der "automatischen Zellteilung" schaute sich Franz Galler ebenso bei Leopold Kohr (www.tauriska.net), dem Träger des Alternativen Nobelpreises aus der Stille-Nacht-Heilige-Nacht Gemeinde Oberndorf/Salzburg ab: Auch die Genossenschaft soll nicht zu groß werden. Besser mehrere und kleinere Einheiten - nur bei kleineren Genossenschaften kann der Einzelne noch persönlich sein Stimmrecht ausüben.  

Genossenschafts-Kooperationsring mit regionalen Anlagemöglichkeiten  

Franz Gallers Konzept sieht ein mehrstufiges Modell vor. Die Genossenschaft versteht sich dabei als Sammel- und Verteilungsstelle für regionale Anlagegelder von bzw. an Genossenschafts-Mitglieder. Alle Beteiligten sind Genossenschafts-Mitglieder. Die Genossenschaft beschränkt sich dabei auf drei Basis-Investitions-Bereiche:  Essen & Trinken/Viktualien, Immobilien/Wohnen, Land- und Forstwirtschaft und Unternehmen für Basis-Dienstleistungen im täglichen Leben heute sowie in der Zukunft als Vorsorge. Ausschüttungen an die Investoren soll es in Form von Regiogeld beziehungsweise Waren und Dienstleistungen geben, letztere inflationsgeschützt. Der Schutz vor Inflation oder den Auswirkungen einer Währungskrise soll dabei übliche Renditeerwartungen ersetzen.

Die soziale Genossenschaft

Der erste Bauteil ist die soziale Genossenschaft, an der sich Menschen mit Einlagen von 300 bis maximal 5.000 Euro beteiligen können. Einlagen berechtigen in gleicher Höhe zur Teilnahme am Genossenschafts-Kooperations-Ring, der als reines Buchgeld in Talent geführt wird. Privatpersonen im Tauschkreis sind hier ebenso integriert wie Unternehmen über Barter und die RegioSTAR e.G. mit all ihren Geschäftsbereichen.

Genossenschaftliches Immobilienvermögen

Im zweiten Bereich soll mit Anlagesummen zwischen 5.000 bis 25.000 Euro genossenschaftliches Immobilienvermögen aufgebaut werden: Investitionen in unbebaute Grundstücke, landwirtschaftliche Flächen und Wald sowie in wohnwirtschaftliche Immobilien. Geplant ist, dass die Geldgeber für in Form von Schenkungen an die Genossenschaft übergebenes Kapital ein lebenslanges und inflationsgeschütztes Waren- und Dienstleistungsversprechen erhalten, wobei an haushaltsnahe Dienstleistungen bis zur Pflegestufe I gedacht ist. Dieser so wachsende Immobilienfonds bildet den Deckungsstock für die Sicherung der Altersvorsorge, die der Genossenschaftskooperationsring in Form einer Pflegewährung in Stunden (Talent) aufbauen will.

Genossenschaftsbeteiligungen an Unternehmen

Der dritte Sektor hat Beteiligungen im Visier. Größere Summen über 25.000 Euro könnten als Stille Beteiligungen in neue Geschäftsbereiche der Genossenschaft bzw. konkrete Unternehmensbeteiligungen oder Betriebsübernahmen, u.a. bei Nachfolgeproblemen münden.

"Wenn Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten oder Probleme bei der Nachfolgeregelung bestehen, möchte die Genossenschaft ihre Hilfe anbieten, damit der Betrieb weiterbestehen kann", schildert Franz Galler das Ziel. Die Genossenschaftsmitglieder treten hier in solchen Fällen heute schon als Dienstleister auf - sie unterstützen in Finanzfragen, helfen bei der Betriebsführung,  bei Buchhaltungsdienstleistungen oder bieten Erntehilfe an. Gezahlt wird dabei wieder mit der Verrechnungseinheit Talent.

 

Das mehrstufige Kooperations-Modell will "Bürgerwährungen" wie die Sterntaler-Gutscheine und die Tauschkreiswährung Talente mit dem gesetzlichen Zahlungsmittel Euro kombinieren.

Die Euro-Einnahmen, die durch den Sterntaler-Umtausch bei der Genossenschaft eingehen, landen derzeit noch in einer 100%igen liquiden Eurodeckung. Mittelfristig soll zumindest für einen Teil der umlaufenden Regio-Gutscheine die Genossenschaft die Deckungszusage übernehmen, damit die Euros in der Gemeinschaft investiert werden können. Somit würde der Sterntaler zur krisensicheren und mit realen Werten abgesicherten Genossenschaftswährung und könnte sich im Krisenfall vom Euro abkoppeln.

Konzept nimmt auch Großinvestoren ins Boot - Impulse für nachhaltige Projekte wie Klimaschutz

Franz Galler weiß aus Erfahrung, dass das Klischee der "bösen Reichen" in der Praxis auf die meisten vermögende Menschen nicht zutrifft. Was liegt also näher, als die Möglichkeit zu schaffen, Geld in der Region für alle gewinnbringend anlegen zu können?

Wie das projektbezogen gehen könnte, schildert der Vermögensberater anhand einer Gebäudesanierung zur Senkung der Energiekosten durch die Genossenschaft: "Eine regionale Bank gibt zur Finanzierung für einen Teil der Investitionskosten einen Kredit. Die am Bau beteiligten Unternehmen aus der Region sind Partner und  benützen zur Verrechnung ihrer Leistungen die Genossenschaftswährung Talent. Einen Teil der erforderlichen Summe bringt die Genossenschaft auf, und was zur Umsetzung noch fehlt, kann von Großanlegern zur Verfügung gestellt werden."

Gewinner wären dabei alle: Die Bank bekommt ein Kreditgeschäft, die Unternehmer Aufträge, der Gebäudebesitzer freut sich über keine steigenden Energiekosten und  die Investoren über eine gemäßigte Rendite, die durch die Energieeinsparung hereingebracht werden kann. Und nicht zu vergessen der Impuls für den Klimaschutz: die Umwelt profitiert von weniger Schadstoffausstoß und der Umstellung auf erneuerbare Energieträger.

Umlaufgebühren als Lenkungsinstrument - Cyclos sorgt für Transparenz

Ganz pragmatisch geht Franz Galler in seinem Regionalentwicklungskonzept mit der Frage der Umlaufgebühren um und nützt diese als Lenkungsinstrument: "Beim Sterntaler Regiogutschein liegt eine Umlaufgebühr von 8 % p.a. vor, die dafür sorgt, dass der Schein nicht gehortet sondern weitergegeben wird. Im Talentesystem der Genossenschaft ist diese Gebühr mit 4 % p.a. nur halb so hoch. Und im Altersvorsorgefonds gibt es keine Umlaufgebühr." Damit "schaufelt" das System Talente in die Altersvorsorge. Wer seine Einlage aus dem System zurück erhalten will, erhält die Auszahlung in Talent. Einlösegarant ist  die Genossenschaft. Für die transparente Abwicklung sorgt die Open-Source Cyclos-Software, deren Weiterentwicklung im Verein zart - Zusammenarbeit regionaler Transaktionssysteme (www.zart.org) mit Unterstützung der Sunflower Foundation aus der Schweiz passiert.

Genossenschaft mit klarem Honorierungsmodell

Ethische Grundsätze mit dem Bemühen um eine gerechte Entlohnung verankert das Genossenschafts-Kooperationsmodell auch bei der Mitarbeiter-Honorierung. Hier gibt es keine "Ausbeutung des Ehrenamtes". Als "ehrenamtliche Mitarbeiter" gelten alle, die bis zu 100 Stunden im Jahr mithelfen. Sie erhalten 5 Euro Einkaufsgutscheine pro Stunde für den eigenen Dorfladen. Diese Regelung gilt auch für alle neuen Mitarbeiter in den ersten Monaten des gegenseitigen Kennenlernens.

Die zweite Gehaltsstufe sind Minijobs, z.B. die Mitarbeit im Dorfladen. Sie wird mit 7 Euro pro Stunde vergütet, kostet die Genossenschaft aufgrund der Abgaben 10 Euro und wird bei Einkommen bis 400 Euro monatlich angewandt. Die dritte Gehaltsstufe der Midi-Jobs reicht von 401 bis 800 Euro monatlich und gilt als Abteilungsleiter-Tätigkeit. Hier werden 10 Euro pro Stunde bezahlt, die Genossenschaft kalkuliert mit Kosten von 15 Euro pro Stunde. In der vierten und letzten Gehaltsstufe sind freiberufliche wie angestellte Mitarbeiter in verantwortlichen Positionen. Hier werden derzeit 15 Euro pro Stunde bezahlt, die Genossenschaft rechnet mit Lohnkosten von 20 Euro pro Stunde und verrechnet an Dritte 25-Euro-Stundensätze weiter.

Klar ist auch der Auszahlungsmodus: Bis zum Wert von 100 Euro wird bei den Gehaltsstufen zwei bis vier  in Talent ausbezahlt. Von 101 bis 400 Euro in Sterntaler-Regio-Gutscheinen und erst über 401 Euro erfolgt eine Auszahlung in Euro.

Weitere Informationen sowie Kontaktdaten zu Franz Galler bietet die Website www.regiostar.com

 

 

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