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Zeitvorsorge – ein ergänzendes Pflegesicherungsmodell aus Vorarlberg

 

Rund 60 Interessierte folgten im Zukunftszentrum in Innsbruck den Ausführungen von Gernot Jochum-Müller (Bild Mitte). Die Veranstaltung wurde von den politischen Fortbildungsinstituten der Grünen, SPÖ und ÖVP - Grüne Bildungswerkstatt, Renner-Institut und PolAK sowie vom Seniorenreferat des Landes Tirol mitveranstaltet. Bild rechts v.l.: Innsbrucks Grüne Gemeinderätin Renate Krammer-Stark/Moderation der Publikumsdiskussion, Referent Gernot Jochum-Müller, Georg Pleger vom Zukunftszentrum, Jutta Seethaler von der Grünen Bildungswerkstatt und Michael Graf, Obmann des Talente-Netz Tirol.

Vorbild dafür ist das Pilotprojekt Evergreen, das der Tauschkreis gemeinsam mit den fünf Gemeinden des Leiblachtales und dem dort ansässigen Sozialsprengel seit 2005 umsetzte. Ins Visier nahm man dabei die Altersgruppe 55+. Durch Betreuungsdienste in der Nachbarschaft erwerben Menschen Zeitguthaben, die sie in der Tauschkreiswährung Talent ausbezahlt erhalten. Jeder Teilnehmer kann selbst entscheiden, wie viel er davon gleich im Tauschkreis konsumiert und wie viel er sich auf ein Zeitkonto gutschreiben lässt. Bis zu 500 Stunden können so für den Fall, dass man selbst Betreuungsdienste benötigt, angespart werden.

„Diese Zeitvorsorge bringt kurz- und langfristigen Nutzen“, zeigt Gernot Jochum-Müller, Obmann des Talente-Tauschkreises Vorarlberg bei einer Informationsveranstaltung am 2. Februar 2009 im Zukunftszentrum in Innsbruck auf. Menschen finden nach dem Erwerbsleben noch eine sinnerfüllende Beschäftigung und schaffen sich damit eine zusätzliche Pflegeversicherung als Altersvorsorge. Dass die Qualität der Betreuung dann auch passt, dafür sorgt der Partner vor Ort: „Der Tauschkreis stellt das Talent-System zur Verfügung, das Personal kommt vom Mobilen Haushilfedienst des Sozialsprengels. Dieser akzeptiert Talent wie Euro und bezahlt damit auch die Mitarbeiter“, so Jochum-Müller. Auch hier gilt ein gesundes Mischverhältnis von Euro und regionaler Zeitwährung.

Steuerrechtlich gelten für die Teilnehmer des Vorsorge-Modells dieselben Zuverdienstgrenzen wie beim Euro. Die angesparten Talent-Guthaben sind Erbvermögen und können bei einem Umzug mit genommen oder auch in Euro ausbezahlt werden. Die Betreuungsdienste bringen für alle Beteiligten mehr Lebensqualität.

Diese Form hochqualifizierter Nachbarschaftshilfe stärkt neben dem sozialen Netz auch die regionale Wirtschaft, da die Talente im Ländle bleiben und hier für Wertschöpfung und Kaufkraft sorgen.

Einen ausführlichen Bericht über den Vortrag und die anschließende Publikumsdiskussion lesen Sie hier...

Hintergrundinformation:

Der Talente-Tauschkreis Vorarlberg verwaltet rund 750 Mitgliedskonten, die von rund 1.800 Personen genutzt werden. Unter den Teilnehmern sind ca. 15 % Betriebe. 2008 betrug der Jahresumsatz rund 2,5 Millionen Talente, was bei direkter Umrechnung einen Wert von rund 220.000 Euro entspricht. Wertmaßstab: 100 Talente sind eine Stunde, beim derzeitigen Euro-Umrechnungsfaktor entspricht das 8,7 Euro. Für die landesweite Organisation der acht Regionen besteht ein 20-köpfiges Organisationsteam. Sämtliche Kosten werden durch die jährlichen Mitgliedsbeiträge von 20 Euro und 360 Talent pro Teilnehmer abgedeckt. Weitere Infos: www.talentiert.at

 

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