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Kommentar von Tobias Plettenbacher zur Finanzkrise

Keine Panik! Per Anhalter in die Finanzkrise

Die Finanzkrise bzw. die nun über uns hereinbrechende Wirtschaftskrise war bereits im Frühjahr 2008 deutlich für den Herbst vorherzusehen. Die Krise begann bereits 2007 mit dem Platzen der US-Immo­bilienblase (Subprime-Krise) und weitete sich unaufhaltsam auf das globale Finanz­system aus. Da alleine in der Subprime-Blase über 2.000 Milliarden US$ fauler Kredite stecken, war klar, dass viele große Banken spätestens im Sommer in Konkurs gehen würden (siehe www.leap2020.eu).

Das hämische Grinsen auf den Gesichtern vieler Österreichischer Banker ist spätestens mit den Turbulenzen und Verlusten in Russland und Osteuropa eingefroren. Leider hatten die meisten Ostblockländer verhältnismäßig eine noch größere Immobilienblase als die USA...

Hochfinanz und Großkonzerne, die jahrelang nach immer mehr Deregulierung (Abschaffung jeglicher Regeln und Steuern) schrieen und astronomische Gewinne auf Kosten der Natur und der Armen in aller Welt einstrichen, rufen plötzlich nach einem starken Staat. Nun sollen die Verluste in Höhe von tausenden Milliarden auf Kosten der Allgemeinheit abgefangen werden. Wir alle sollen über mehr Steuern, Staatsschulden oder Notenbankgeld (Inflation) die Zeche zahlen.

Die unweigerlich nötige Erhöhung der Geldmenge wird jedoch die eigentliche Ursache des Problems, die ein Tabuthema sondergleichen ist, weiter verschlimmern: Die ins "Unendliche" wachsenden Vermögens- und Schuldenberge. Die Ursache dafür liegt rein mathematisch in unserem Geldsystem verankert: Vermögen und Schulden wachsen durch den sog. Zinseszinseffekt exponentiell, also umso rascher, je größer sie werden, bis sie faktisch explodieren. Je mehr Geld, umso mehr wird spekuliert... Je größer die Schulden, umso mehr Zinsen müssen gezahlt werden...

So sind z.B. die Gesamtschulden der USA (Staat, Unternehmen und Privathaushalte) von 32.000 Milliarden US$ im Jahr 2003 auf 48.000 Milliarden im Jahr 2008 explodiert (aufgestapelt in 1-Dollar-Noten ein Turm von 4,8 Mio. Kilometer Höhe!). Dies geht vor allem auf die Verschuldungsspirale bei Unternehmen und Privathaushalten zurück, weniger auf die Militärausgaben. Da der Großteil dieser Schulden niemals zurückbezahlt werden kann, musste man bereits vor Jahren kein Prophet sein, um den Finanzkollaps und eine Wirtschaftskrise vorauszusehen. Rein mathematisch muss exponentielles Wachstum etwa alle 60 Jahre zum Zusammenbruch dieses Pyramidenspiels führen.

So ist auch heute das gesamte Weltfinanzsystem wieder am Kippen. Solche Zeiten sind durch ein Chaos an den Märkten und extreme Kursschwankungen charakterisiert. Voraussichtlich wird durch staatliche Eingriffe noch eine "Bullenfalle" gefördert, also eine kurzfristige und intensive Euphorie (der Kleininvestoren), gefolgt vom völligen Absturz. Leider lernen wir ja offenbar nie aus der Geschichte und unsere Urgroßeltern können wir auch nicht mehr fragen, wie das früher war.
Dabei lesen sich Artikel, Versprechen und Lügen von 1929 fast genauso wie jene von 2008...

Der endgültige Finanzkollaps ist nur mehr eine Frage des Zeitpunkts, an dem die Krise nicht mehr schön geredet werden kann und eine Panik ausbricht: Wenn alle ihre Aktien abstoßen, ist (wie 1929) ein Kurssturz auf etwa 10% des heutigen Niveaus zu erwarten. Wenn alle ihre Ersparnisse holen wollen ("Bank-Run"), wird auch das Bankensystem kollabieren. Nur eine regionale und energie-unabhängige Lebensmittelproduktion wie damals haben wir heute nicht mehr. Nicht einmal eigenes Saatgut haben unsere Bauern, und das vorhandene ist unfruchtbar (Hybrid). Daher: Keine Panik!

 

Dipl.-Ing. Tobias Plettenbacher
ATTAC Ried, TIMESOZIAL, Experte für komplementäre Währungssysteme
Kontakt:

plettenbacher@timesozial.org, 0664/ 5434939

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