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Dokumente aus dem Unterguggenberger Archiv über den Bau der Wörgler Sprungschanze

 

Die neue Wörgler Skisprungschanze war 1933 landauf, landab die Attraktion. Hunderte Schaulustige kamen zu den Bewerben, bei denen die mutigen Skisprung-Pioniere ihr Können zeigten. Die Sprungschanze wurde im Herbst 1932 im Zuge der Notstandsarbeiten des Wörgler Nothilfe-Programmes errichtet. Die Arbeiter, die zur Rodung, für die Spreng- und Erdbewegungsarbeiten beschäftigt wurden, erhielten ihren Lohn in Form von Arbeitswertscheinen. Das Eröffnungsspringen fand am 19. Februar 1933 statt.

Diese Dokumente aus dem Unterguggenberger Archiv zeigen v.l. die Einladung zum Eröffnungsspringen, das Schanzenprofil, die Teilnahmebedingungen sowie die Teilnehmerliste des Eröffnungsspringens. (Dokumente und Fotos zum Vergrößern anklicken.)

Diese Sommeraufnahme, auf der im Bild rechts Johann Fuchs, der Erbauer des "Fuchsweges" - ein Wanderweg im Süden von Wörgl - mit Wörglern zu sehen ist, lässt den Umfang der händisch durchzuführenden Erdaushubarbeiten erahnen. Die Sprungschanze war ein Teil der Tourismus-Infrastruktur, die mithilfe von Freigeld geschaffen wurde. Wörgl setzte in den 1930er Jahren nach Elektrifizierung der Eisenbahn und damit einer entscheidenden Verbesserung der Luftqualität im Ort auf den Tourismus als aufblühenden Wirtschaftszweig. Im Zuge der Notstandsarbeiten wurden Wanderwege angelegt, 120 Ruhebänke aufgestellt und als besondere Sommer-Attraktion ein 1,2 km langer Trittsteig in die Aubachschlucht angelegt (Bild Mitte und rechts).

In Wörgl entwickelte sich allerdings aufgrund der sichtbaren Erfolge des Freigeld-Einsatzes noch eine andere Form von Tourismus - Bildungstourismus. Politiker, Wissenschafter und Künstler kamen, um sich selbst ein Bild von den Auswirkungen dieses anderen Geldes zu machen. Darunter war im Winter 1934 auch der Freiwirt Hans Jüllig, aus dessen Bericht "Wörgl im Schnee" von seinem Wörgler Aufenthalt als Gast im Hause von Michael Unterguggenberger eine authentische Schilderung eines Skispringens überliefert ist:

"Man muss an ein Bild des großen Pieter Brueghel denken, wenn man die Unmenge bunt bekleideter, fröhlicher Menschen betrachtet, die sich in einer langen, schmalen Linie den gespannten Umfriedungsseilen der Sprungschanze entlang hinzieht. Auf halber Höhe der halsbrecherisch steilen Schneerutschbahn befindet sich die Schanze und der Aussichtsturm für Sportrichter und Ehrengäste.

Dahin steigen wir gemächlich plaudernd empor. Auf der Plattform wird unser Bürgermeister lebhaft akklamiert. Die Wörgler wissen, was sie an ihrem Bürgermeister haben! Und nun ertönt durchs Megaphon der Ruf: "Nummer eins!" - der kurze Ton einer Signalpfeife und schon rast der erste kühne Springer Hans Hack vom Skiklub Schwaz in unheimlichem Saus hernieder. Leise wippt er in den Knien, die Leinwand mit der Nummer aus seinem Rücken knattert wie ein Segel im Wind. Er hat Schnellzugsgeschwindigkeit! Jetzt hat er dieAbsprungstelle erreicht! Im entscheidenden Augenblick, just am Rande des gähnenden Abgrundes, entspannt er elastisch die Beine und schon schwebt er in hohem Bogen, mit den Armen bedächtig in der Luft kreisend, der Tiefe zu. Sicher setzt er auf der abschüssigen weißen Fläche auf und saust in aufrechtem Stand elegant den Abhang hinab, weit hinaus in den schneebedeckten Grund des Inntales. Ein Meistersprung folgt nun dem anderen. Als Höchstleistung werden 65 Meter gebucht, die Sörensen, der Trainer von Kitzbühel in der Luft zurücklegt."

Kurzfilm vom Eröffnungsspringen 1933 auf youtube - hier anklicken

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