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STRO-Projekte in Brasilien, Uruguay, Afrika und im Software-Bereich

Die Social Trade Group, kurz STRO, entwickelt ergänzende Währungs- und Verrechnungsysteme als Wirtschaftshilfe in armen Regionen und hilft bei der Umsetzung vor Ort. 2007 gewann die Dachorganisation mit Niederlassungen in den Niederlanden, Brasilien, Honduras und Uruguay den Michael-Unterguggenbergerpreis der Stadt Wörgl für ein Mikrokredit-System unter Einbeziehung lokaler Währungen in Porto Alegre, Brasilien.

"Hinsichtlich der Geldexperimente zeichnen sich derzeit zwei positive Entwicklungen ab", berichtet Henk van Arkel über die seither weiter geführte Arbeit von STRO.

Netzwerken in Brasilien

"In Porto Allegre, Brasilien, entwickeln wir derzeit gerade einen Versuch, der sich völlig in den bestehenden Markt integriert und überall kopiert werden kann. Er basiert auf bestimmten sehr billigen Angeboten innerhalb eines Netzwerkes, kombiniert mit einer Art Netzwerk von Netzwerken der Handelskammer, Kooperativen und anderen, die innerhalb ihrer eigenen  Gruppe Handel treiben wollen. Gleichzeitig können wir durch Verknüpfung dieser Netzwerke weitere Gelegenheiten für den Austausch schaffen. In den kommenden Monaten werden wir sehen, ob wir tatsächlich dieses Modell im Markt aufbauen können."

Uruguay: Freigeld-Modell zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise

Eine weitere positive Nachricht betrifft ein neues STRO-Projekt in Uruguay. Uruguay galt bis zur Argentinien-Krise 2002 als die "Schweiz" Südamerikas. Der kleine, 3,3 Millionen Einwohner zählende Staat kämpft seither gegen die Folgen der Wirtschaftskrise, die Arbeitslosigkeit und hohe Inflation zur Folge hat. Rund ein Viertel der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. Die Lage in Uruguay heute ist vergleichbar mit den Folgen der Wirtschaftskrise in Österreich in den 1930er Jahren, gegen die Wörgl 1932/33 mit dem Freigeld-Nothilfeprogramm lokal gegensteuerte.

STRO versucht nun in Uruguay, durch ein komplementäres Währungssystem die Wirtschaft wieder anzukurbeln. "Wir glauben, hier zeigen zu können, wie alle von einem funktionierenden Austausch-Netzwerk unter Verwendung einer lokal gültigen Währung profitieren können", erklärt Henk van Arkel. Mit dieser neuen Finanzierungsform soll eine lokale Wirtschaftsbelebung in Schwung gebracht werden.

Das Projekt in Uruguay lehnt sich stark an das Mikrokredit-System in Porto Allegre an, allerdings in einem viel größeren Umfang und in einem Land, das mehr in einer klassischen Wirtschaftskrise steckt als Brasilien. Es basiert auf einem digitalen internen Zahlungssystem für Mitglieder, vorwiegend in Form von Mikrokrediten, gedeckt von der Banco Republica, gewährleistet von einem staatlichen Anlagefonds, um Investitions- und Handelskapital für jene Banken zur Verfügung zu stellen, das im jetzigen System nicht erhältlich ist. Um den Umlauf zu beschleunigen, ist eine Liquiditätsgebühr von monatliche voraussichtlich einem halben Prozent vorgesehen.

Die Steuerbehörde sowie institutionelle Partner wie Wasser-, Energie- und Stromversorger erhalten besondere Konditionen, die es ihnen ermöglichen, die Verrechnungseinheiten in Bargeld umzuwandeln.

Das Projekt zielt darauf ab, die lokale Wirtschaftsleistung zu aktivieren: Beschäftigung, Förderung des Handels, bessere Ausnützung freier Kapazitäten, etc., um die Kaufkraft der neuen Angestellten sowie den Umsatz der beteiligten Unternehmen zu erhöhen. Diese Effekte ergänzen sich sehr wirkungsvoll, ohne die Inflation anzuheizen.Wenn das Projekt gelingt, wird es zum Überdenken der Entwicklungsprogramme in vielen armen Ländern führen.

Die Weichen für die Umsetzung biegen derzeit in die Zielgerade. Henk van Arkel: "Nächste Woche unterzeichnen wir den Vertrag mit der Regierung von Uruguay. Sie will schon für dieses Jahr 5 Millionen Dollar Anleihen für diesen Zweck zur Verfügung stellen."

Mikrokredit-Systeme mit eigener Währung - Chance für Afrikas Wirtschaft

Ein weiteres Projekt von STRO widmet sich dem ländlichen Raum: "Wir entwickeln derzeit ein Konzept, bei dem Mikrokredit-Institutionen in dörflichen, bäuerlichen Regionen ihre eigene Währung schaffen. In Afrika werden derzeit immer mehr vorausbezahlte Mobiltelefon-Minuten als Geld verwendet und zwischen Personen gehandelt. Wenn wir in einigen Monaten die Möglichkeit von SMS-Zahlungen in unsere Verrechnungssoftware Cyclos integriert haben, können die Mikrocredit-Institutionen in diesen Markt einsteigen und ihre Kosten wesentlich verringern."

Derzeit sucht STRO Sponsoren, die das Geld zur Verfügung stellen, um die Verbindung zwischen der Mikrofinanzierungs-Software MIFOS zur von STRO entwickelten Cyclos-Software aufbringen. "Wenn wir diesen Link schaffen, erwarten wir, dass auf der ganzen Welt Mikrokredit-Institutionen ihr eigenes, freies Geldsystem starten können."

Weitere Infos zu STRO in englischer Sprache auf der Website http://www.strohalm.net

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