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Ein kleiner Streifzug durch das musikalische Wirken von Michael Unterguggenberger


Michael Unterguggenberger war ein geselliger Mensch, leidenschaftlicher Musiker und großer Förderer des Musiknachwuchses. Auf diesem Bild, das vor dem Ersten Weltkrieg entstanden sein dürfte, sitzt er rechts neben dem Zitherspieler.

Lebenslanges Lernen und Weiterbildung formte das 1884 geborene Kind einer armen Arbeiterfamilie aus Hopfgarten. Nach seiner Lehrzeit als Mechaniker und Schlosser in Imst kam Michael 1905 als Lokführer nach Wörgl. Er kannte aus der entbehrungsreichen Jugend die Nöte und Sorgen der Bevölkerung, hatte Hunger und Not selbst erlebt. Einer Karriere bei der Bahn zog er den Aufbau der Gewerkschaft von 100 auf 800 Mitglieder vor. Auch in seinem politischen Wirken spielte seine soziale Gesinnung eine große Rolle. Ab 1919 saß er als Vizebürgermeister für die Sozialdemokraten im Gemeinderat.

Michael befasste sich zeitlebens mit sozialreformerischen Schriften und bekannte sich, als er von 1931 bis 1934 Bürgermeister von Wörgl war, zur freiwirtschaftlichen Bewegung. Wie in seinem musikalischen Wirken setzte er auch im politischen Handeln auf harmonisches Zusammenspiel. Michael Unterguggenberger gründete  die Freiwirtschaftsgruppe Wörgl, die ihn bei der Umsetzung des Währungsexperimentes ebenso unterstützte wie die gesamte Gemeinde. Dabei gelang das politische Meisterstück, alle Beschlüsse einstimmig zu fassen.


Prost! Bei diesem Fest spielten "D´vier lustigen Wörgler" auf, mit Michael Unterguggenberger (links neben der Harfe sitzend) am Flügelhorn. Unterguggenberger unterrichtete auch den Musik-Nachwuchs. Zu seinen Schülern am Flügelhorn zählte Gottlieb Weißbacher, der später mit seiner legendären Inntaler-Formation zum Begriff in der Tiroler Volksmusik-Szene wurde.

Unterguggenberger war Mitglied der Wörgler Arbeitermusik und schrieb anlässlich des 10-jährigen Jubiläums der Kapelle 1912 den Erinnerungsfestmarsch unter Verwendung des "Liedes von der Arbeit". Der Marsch wurde 2006 vom jungen Kapellmeister der Musikkapelle Bruckhäusl, Harald Ploner für die heutige Besetzung der Blasmusikkapelle arrangiert und beim Wörgler Gastwirtefest "Über die Gassn" am 9. September 2006 öffentlich aufgeführt. Eine Videoaufnahme davon sehen Sie hier (anklicken)


1921 gründete Michael Unterguggenberger (4.v.r. in der ersten Reihe) die Wörgler Arbeiterjugendmusik, die er bis 1926 leitete und die jungen Musiker auch unterrichtete.

 

Im Quartett "D´vier lustigen Wörgler“ war Michael Unterguggenberger ebenso zu hören wie bei der Hausmusik daheim, wo er seiner Frau Rosa Zitherstücke widmete. Rosa - im Bild links auf einer Aufnahme vor 1920 - entstammte einer  Künstlerfamilie. Ihre Eltern waren europaweit als Kunstsänger-Duo unterwegs, bevor sie  sich in Wörgl niederließen und das  Café Central eröffneten. Michael und Rosa heirateten 1922 - im Bild rechts sind sie ungefähr 10 Jahre später zu sehen.

Zu den Zitherstücken, die Michael für seine Rosa komponierte, hieß eines "D´Rosl zwickt´s"  -  was immer das auch heißen mag...  Die Familie bewahrte die Noten  wie viele andere historische Dokumente  aus dem Leben Michael Unterguggenbergers auf.  Als 1996 zur  Tagung "Vergeld´s Gott" im Heimatmuseum Wörgl eine Sonderausstellung zum Wörgler Freigeld eröffnet wurde, erklangen seit Jahrzehnten das erste Mal wieder Zitherstücke aus der Feder Unterguggenbergers. Bartl Egger studierte auch "D´Rosl zwickt´s" ein, das Sie hier als mp3 (3,9 MB) hören können > download

 

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