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Fortbildungs- und Vernetzungstreffen der Regiogeld-Verbandes von 13.-15. Februar 2009 in Vorarlberg

Im Bildungshaus St. Arbogast in Vorarlberg fand von 13. bis 15. Februar 2009 ein Vernetzungs- und Fortbildungstreffen des Regiogeld-Verbandes statt. Gernot Jochum-Müller ( Bild Mitte) bei der Sammlung von Themen und Fragestellungen, die in Workshops sowie im Plenum erörtert wurden. Groß war der Andrang beim Workshop zur neuen Europäischen Zahlungsmittelrichtlinie (Bild rechts). Um trotz großer Teilnehmerzahl effizient am Thema arbeiten zu können, wurde ein "fishpool" eingerichtet.

Regiogeldverband als Service-Einrichtung und Interessensvertretung

Unter dem Begriff Regiogeld finden sich zahlreiche Komplementärwährungs-Initiativen mit regionalen Gutscheinsystemen, von denen längst nicht mehr alle so wie das Parade-Beispiel "Chiemgauer" mit Euro gedeckt sind. Der 2006 gegründete Regiogeld-Verband e.V. versteht sich als Vernetzungsplattform, Service-Einrichtung und Interessensvertretung, wobei Wert auf die Einhaltung von Qualitätsstandards gelegt wird. Detaillierte Infos dazu gibt´s auf www.regiogeld.de

Dem Verband gehören derzeit 30 aktive und 36 startende Regiogeld-Initiativen an, wobei die Trennlinie zu Tauschkreisen zunehmend schwindet. Praktisches Beispiel dafür: Die Talente-Gutscheine des Tauschkreises Vorarlberg. Während die Konto-Bewegungen der Mitglieder nach wie vor leistungsgedeckt sind, werden Talente-Gutscheine auch gegen Euro verkauft. Euro-gedeckt ist auch die Langenegger Gemeindewährung (Info hier), für die der Talente-Tauschkreis Vorarlberg (Info: www.talentiert.at) sein System zur Verfügung stellt.

Der Talente-Tauschkreis Vorarlberg sammelt derzeit "Laborerfahrungen" und kann sich über viele Etappen-Erfolge freuen. Obmann Gernot Jochum-Müller warnt aber davor, Initiativen einfach zu kopieren: "Ich glaube nicht an die Übertragbarkeit von Modellen. Dahinter braucht es Prozesse, um die Menschen einzubinden. Komplementärwährungen sind wie ein Werkzeugkoffer - es kommt auf die Ziele an, die man mit diesem Instrument verfolgt. Keiner hat heute ein fertiges System."

Neue Zahlungsmittelrichtlinie der EU betrifft viele Regiogelder

Beim Verbandstreffen nahm neben der Vernetzung der Initiativen auch die Arbeit an organisatorischen Fragen breiten Raum ein. Frank Jansky, 1. Vorsitzender des Verbandes, stellte die neue EU-Zahlungsmittelrichtlinie vor, die mit November 2009 in Kraft tritt und alle Regiogeldsysteme mit Kontenverwaltung und Schnittstelle zum Euro betrifft: "Ziel der Richtlinie ist mehr Wettbewerb beim Zahlungsverkehr im Binnenmarkt. Den können künftig nicht nur Geschäftsbanken durchführen. Die neue Richtlinie sieht unterschiedliche Kompetenzen für Kreditinistitute, E-Geld-Institute und Zahlungsinstititute vor. Davon betroffen sind alle Zahlungsmittel, also auch Regiogelder. Ausgenommen sind nur reine Gutschein-Systeme ohne Kontenführung sowie rein leistungsgedeckte Systeme wie Tauschringe und begrenzte Dienstleistungsnetze wie beim öffentlichen Verkehr." 

Diese EU-Richlinie - hier in vollem Wortlauf als PDF zum Download unter http://www.bankenverband.de/pic/artikelpic/012008/ge0711_rb_sepa_dt.pdf. - muss von den Staaten in nationales Recht übernommen werden, wobei eine Übergangsfrist von 18 Monaten gilt.

Um weiterhin im rechtlich legalen Rahmen agieren zu können, diskutierte der Verband bestehende Möglichkeiten. Einerseits sind Kooperationen mit Banken möglich und werden vielerorts auch schon praktiziert. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Gründung eines eigenen Zahlungsinstitutes für Regiogelder durch der Verband. Dazu sind derzeit mindestens 125.000 Euro Eigenkapitaleinlage sowie die Beschäftigung von zwei MitarbeiterInnen erforderlich. 

Transparenz für Regiogeld-Nutzer: Deckungspolicen ausstellen

"Die Deckungsvielfalt wächst", stellte Franz Jansky fest und empfahl den Initiativen, Deckungspolicen auszustellen und damit detailliert darüber zu informieren, wie die Gutscheine gedeckt sind. Wobei darunter die Einlöse-Möglichkeit zu verstehen ist - besteht sie in Leistungsversprechen der Teilnehmer, in Waren und/oder in Euro-Rücklagen? Und bei Mischsystemen - in welchem Verhältnis? Bestenfalls geben Internet-Auftritte der Initiativen auch Auskunft über die umlaufende Gutscheinsumme, die Anzahl der beteiligten Unternehmen und Akzeptanzstellen.

Bei leistungsgedeckten Systemen sollten Verträge über den Umfang mit den Unternehmen abgeschlossen werden. Bei Euro-gedeckten Systemen gilt zu beachten: "Wenn Regiogelder in Euro eingewechselt werden können, ist die gesamte ausgegebene Gutscheinsumme zu 100 % einklagbar", informierte Gernot Jochum-Müller.

Auf der Tagesordnung des Verbandstreffens standen weiters Themen wie Buchhaltung, Werbemittel, Mitarbeitergewinnung, die Umsetzung der Genossenschaftsidee anhand der RegioSTAR-Genossenschaft des Sterntalers (Info hier) aber auch das Clearing der Regiogelder für überregionale Zusammenarbeit. "Mit der Plattform www.zart.org wurde eine Clearing-Stelle für den Außenhandel von Komplementärwährungen eingerichtet", informiert Gernot Jochum-Müller. "Dieses Clearing ist ein Online-Marktplatz, wo man Urlaub machen oder Autos ausleihen und dafür mit einer Komplementärwährung zahlen kann. Dabei wird darauf geachtet, dass maximal 20 % der Geldmenge oder 10 % vom Umlauf des Vorjahres in das regional gültige Zahlungsmittel einer anderen Region umgetauscht werden - das ist die Grenze für den gesunden Außenhandel."

Regiogeld-Verbandstreffen sind auch Marktplatz für die Nebengelder: Hier herrscht bunte Vielfalt von der Gestaltung bis zu den Umsetzungsregeln. Freitaler (http://www.breisgau-geld.de/freitaler/) und Dreyecker (http://www.dreyecker.de) zirkulieren im Südwesten Deutschlands, die Brodeinheit (http://www.wiben.de) im Westerwald.

Bewusstsein schaffen für wirtschaftliche Zusammenhänge und regionale Kreisläufe - dazu testete man auch aus Spiel "Euro bleib im Vulkanland" aus der Steiermark. Bild rechts: Christian Schwerin mit dem Zschopautaler (www.zschopautaler.info), der seit August 2007 in Mittelsachsen in Umlauf ist.

 

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