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Let´s make Money - Filmvorführung mit Filmemacher Erwin Wagenhofer am 2. November 2008 in Innsbruck

Ausverkauft war die Kinovorstellung von Let´s make Money am 2. November 2008 im Leokino in Innsbruck, nach der Regisseur Erwin Wagenhofer für eine Publikumsdiskussion zur Verfügung stand. Anita Heubacher vom Zukunftszentrum Tirol moderierte und wies zu Beginn auch auf die Petition Neues Geld hin.

Wagenhofers Film löste zunächst große Betroffenheit aus, was sich auch in den Wortmeldungen widerspiegelte.  Die freimütigen Auskünfte der Interviewpartner im Film, zu dem Caspar Dohem das Buch "Let´s make Money - Was macht die Bank mit unserem Geld?" verfasst hat, lösten Verwunderung aus. Soviel Ehrlichkeit aus dem Mund von Finanzmanagern, die sich schamlos zur Profitmaximierung ohne Rücksicht auf Mensch und Natur bekennen, schockiert.

Wagenhofers Film zeichnet die Entstehung des neoliberalen Wirtschaftskurses nach und macht deutlich, dass hier Weichen gestellt wurden. Weichen, die von der Politik auch wieder anders gestellt werden können. "Ein Film verändert garnichts. Sie können aber etwas verändern", lautete auch sein abschließender Appell ans Publikum.

Die Initiative Neues Geld informierte bei der Film-Vorführung über die Petition Neues Geld und verteilte Informationsmaterial.

Erwin Wagenhofer: "Dieses System ist gegen die Menschen"

"Wir haben jetzt 60 Jahre Wirtschaftswachstum - und keiner ist glücklich. Dieses System ist gegen die Menschen gerichtet. Die Ausbeutung passiert nicht nur in der 3. Welt, sondern auch hier. Wir haben ein enormes Umverteilungsproblem", lautet Wagenhofers nüchterne Analyse. 

Das Thema Geld und Finanzmarkt beschäftigte den Filmautor von Österreichs erfolgreichster Kino-Doku "We feed the World" bereits seit Jahren. 2005 fasste der dann den Beschluss, darüber einen Film zu drehen. Einer der Auslöser war eine Bankenwerbung: "Lassen Sie Ihr Geld arbeiten. Das ist unfassbarer Blödsinn. Geld kann nicht arbeiten." Wer unter welchen menschenunwürdigen Bedingungen für dieses System arbeitet wurde dann auch Gegenstand des Films Let´make Money.

Seine mehrjährigen Recherche-Arbeit führte Wagenhofer rund um den Globus, auch zu Wirtschaftsbossen, Journalisten, Politikern und Menschen, die im Auftrag der USA als Wirtschaftskiller auf Staaten angesetzt waren und diese mit Instrumenten wie Weltbank und Internationalem Währungsfonds im Interesse der neoliberalen Globalisierung in die Knie zwangen. Wo diese Methode versagte, marschierten US-Truppen ein.

"Den Reichen muss klar werden, dass sie von dieser Entwicklung jetzt auch nicht mehr profitieren werden", meint Wagenhofer und sieht nicht nur eine Finanzkrise, sondern "eine Gesellschaftskrise". Mit seinem Film will er einen Beitrag zur Information und Aufklärung der Bevölkerung leisten. Als er ihn drehte, nahm die Öffentlichkeit von der Krise, die Insidern längst bewusst war, noch keine Notiz. Durch den schwarzen Oktober 2008 hat sich das nun geändert.

Der Börsencrash und seine Folgen erinnert fatal an die Wirtschaftskrise der 1930er Jahre. "Das, was wir heute erleben, ist erst der Beginn", stellte Wagenhofer fest. "Ich will nicht, dass sich die 1930er Jahre wiederholen." Aus diesem Grund unterstützt Erwin Wagenhofer auch die Petition für Neues Geld. Sein stärkstes Argument für Neues Geld: "Eine andere Verteilungsgerechtigkeit."

Mehr zum Thema Neues Geld sowie die Petition in vollem Wortlaut samt Unterschriftenlisten finden Sie auf www.neuesgeld.com sowie auf der Website des Unterguggenberger Institutes Wörgl auf www.unterguggenberger.org

Ausgefüllte Unterschriftenlisten bitte an das Unterguggenberger Institut Wörgl, Unterguggenbergerstraße 3, A-6300 Wörgl senden.

Der Film Let´s make Money läuft bis Ende November 2008 im Leokino Innsbruck sowie ab 21. November 2008 im Cineplexx Wörgl.

Weitere Info zum Film:

In LET´S MAKE MONEY folgt Erwin Wagenhofer der Spur unseres Geldes im weltweiten Finanzsystem. Wagenhofer blickt hinter die Kulissen der bunten Prospektwelt von Banken und Versicherungen.

Was hat unsere Altersvorsorge mit der Immobilienblase in Spanien zu tun? Wir müssen dort kein Haus kaufen, um dabei zu sein. Sobald wir ein Konto eröffnen, klinken wir uns in die weltweiten Finanzmärkte ein – ob wir wollen oder nicht. Die Bank speist unser Guthaben in den globalen Geldkreislauf ein. Ob unsere Bank das Geld an einen spanischen Bauentwickler verleiht? Wir KundInnen wissen es nicht. Möglicherweise borgen Banken, Versicherungen oder Pensionsfonds unser Geld auch an einen Spekulanten. Die meisten von uns interessiert es auch nicht, weil wir gerne dem Lockruf der Banken folgen: „Lassen Sie ihr Geld arbeiten!“ Doch Geld arbeitet nicht: Arbeiten können nur Menschen, Tiere oder Maschinen.

LET´S MAKE MONEY zeigt uns die gefeierten Fondsmanager, die das Geld ihrer KundInnen jeden Tag aufs Neue anlegen. Zu sehen sind Unternehmer, die zum Wohle ihrer Aktionäre ein fremdes Land abgrasen, solange die Löhne und Steuern niedrig und die Umwelt egal sind. Wir erleben die allgegenwärtige Gier und die damit verbundene Zerstörung.

Erwin Wagenhofer: „Ich will sagen, dass es wieder zu einer Katastrophe kommen wird, wenn die Verteilung der Rohstoffe und der Nahrung und des Geldes nicht gelingt, wenn es nicht gelingt, dass auch die Schwächsten einer Gesellschaft partizipieren können. Globalisierung schließt auch globale Verantwortung mit ein. Wenn mein Hemd aus China kommt, dann habe ich etwas mit China zu tun. Das soll durch den Film transparent werden und sollte eigentlich die tägliche Botschaft unserer Regierungschefs sein.”

 

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