Innsbruck/Wörgl. „Kauri, Gold und Cybercoins – Formen des Geldes“ heißt eine Ausstellung zur Geldgeschichte, die in der Schalterhalle der Zweiganstalt West der Nationalbank in Innsbruck in der Adamgasse 2 noch bis 31. Dezember 2016 zu sehen ist. Zu den gezeigten Exponaten zählt auch das Wörgler Freigeld. Die Eröffnung der Ausstellung am 20. April 2016 wurde mit internationalen Gästen gefeiert.

Das Geldmuseum der österreichischen Nationalbank zeigte bereits im vergangenen Jahr in der Wiener Zentrale die Ausstellung „Kauri, Gold und Cybercoins“, die für die Innsbrucker Räumlichkeiten adaptiert wurde. Zweiganstalt-Leiter  Armin Schneider begrüßte Vernissagengäste u.a. aus Portugal, Monte Negro und Senegal ebenso wie aus Italien und Österreich. Die vor 200 gegründete österreichische Nationalbank unterhält seit 1822 eine Zweiganstalt in Tirol, seit 1931 im jetzigen Gebäude.

Zur von Michael Grundner und Julia Domes kuratierten Ausstellung nahm Max Hiermann, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der OeNB Stellung. Die Nationalbank sammelt seit 1816 Papiergeld und seit den 1950er Jahren Münzen. In den 1980er Jahren wurde das Geldmuseum ins Leben gerufen. Der Bildungsauftrag wurde im Rahmen wachsender Komplexität der Wirtschaft sowie zunehmender Verschuldung der Jugend gesehen. „Seit 2008 wird der Mangel an grundlegendem Finanzwissen in der Bevölkerung offenbar. Eine OECD-Studie zeigt, dass nicht nur in Österreich ein Nachholbedarf an Finanzbildung besteht“, so Hiermann. Das Geldmuseum wolle leicht verständlich Zusammenhänge erklären und die breite Öffentlichkeit informieren.

Zum heutigen Geldverständnis stellt Hiermann fest: „Geld ist, was als Geld gilt.“ Geld habe sich im Laufe der Kulturgeschichte der Menschheit verändert. Vom Naturalgeld über die ersten, vor 2700 Jahren geprägten Münzen bis zu heutigen digitalen Zahlungsmitteln. Basis jeder Geldform sei allerdings das „absolute Vertrauen“ der Nutzer, weshalb „die Aufrechterhaltung dieses Vertrauens zu den existenziellen und essentiellen Aufgaben der Notenbanken zählt“.

Auf die Geldgeschichte ging Dr. Kurt Pribil, Direktoriumsmitglied der Österreichischen Nationalbank ein und nahm zur aktuellen Diskussion über die Abschaffung des Bargeldes Stellung. In Tirol komme Barem aufgrund des Tourismus noch größere Bedeutung zu als in anderen Bundesländern. „Für das Bargeld sprechen viele Gründe. Ausgabenüberblick wird ebenso geschätzt wie die Anonymität und Privatspäre“, so Pribil. Viele Menschen wollen keine elektronischen Fußspuren hinterlassen – man denke nur an den Kauf von Medikamenten. Das Problem der Kriminalität werde mit einer Bargeldabschaffung hingegen nicht gelöst. Pribil wartete auch mit Zahlen auf. Obwohl 93 % der Österreicher eine elektronische Zahlungskarte besitzen, werde immer noch sehr viel in Bar bezahlt. „Der Bargeld-Umlauf in Euro-Ländern und Drittstaaten in Europa hat im Februar dieses Jahres 1.100 Milliarden Euro erreicht. In den vergangenen Jahren betrugen die jährlichen Steigerungsraten 4 %, 2015 sogar 6,5 %“, so Pribil, der nicht an ein Bargeldverbot glaube. Auf die Zwischenfrage aus dem Publikum nach den Kosten der Bargeldherstellung antwortete er: „Bargeld ist immer noch das billigste Geld“ und wies damit auf die von Banken verrechneten Kosten bei unbaren Zahlungsvorgängen hin. Diese würden bei einem Bargeldverbot in die Höhe getrieben. Nichts hält Pribill auch von der diskutierten Abschaffung der 500 Euro-Note: „Die ÖNB lehnt das entschieden ab. Damit wird die Kriminalität nicht eingedämmt, sondern nur Verunsicherung erzeugt.“ Pribil zitierte abschließend Dostojewski: „Geld ist geprägte Freiheit.“

„Das Leben ist im Fluss – mit noch nie dagewesener Geschwindigkeit“, erklärte DI Dr. Rainer Schamberger, Vorsitzender der Geschäftsführung Payment Services Austria, die täglich über 1,5 Millionen Zahlungsvorgänge in Österreich abwickelt.  Die Bankomat-Karte trat ihren Siegeszug ab 1980 an – heute bestehen in Österreich 9000 Bankomat-Stellen. Tirol habe die höchste Dichte  in Österreich, auf 793 Einwohner kommt ein Gerät. Die Einführung der kontaktlosen NFC-Technologie vor 15 Jahren war eine österreichische Erfindung. Der Zug in Richtung Digitalisierung des Zahlungsverkehrs sei unumkehrbar abgefahren. Und da sei Österreich nun ein weiteres Mal Vorbild: „Vor einem Jahr gelang es uns erstmals weltweit, alle Banken und Mobilfunkanbieter zusammen zu bringen – jetzt gibt es die Bankomat-Karte am Handy.“ Die Digitalisierung stelle viele Wirtschaftsbereiche weiterhin vor große Herausforderungen, besonders Banken und den Handel. Die Machine-to-Machine-Technologie, bei der Sensoren miteinander kommunizieren, sei ebenso der nächste Schritt wie biometrische Verfahren.  Die Technik mache möglich, in Zukunft mit der Gesichtsphysiognomie zu bezahlen. „In Zukunft werden wir nur durch Kooperation erfolgreich sein. Wir müssen lernen, die Dinge miteinander anzugehen, nicht gegeneinander“, schloss Schamberger.

Den guten Ton zur Ausstellungseröffnung trug das Duo Stefan Brecher mit Hang und Didgeridoo und Peter Haag mit Saxophon und Querflöte bei. Der Kitchenclub verwöhnte die Vernissagengäste, die sich am Münzprägestock der Münze Hall eine Erinnerungsmünze an den Abend selbst prägen konnten, mit einem vegetarischen Flying Buffet.

Die Ausstellung ist weiterhin bei freiem Eintritt montags bis mittwochs von 8-13 und 13:30 bis 15 Uhr, donnerstags von 8-13 und 14-16:30 Uhr sowie freitags von 8-13 und 13:30-15 Uhr zu besichtigen. Führungsanmeldungen unter 0512-908100-6520, email regionwest(at)oenb.at

Autor und Fotonachweis: Veronika Spielbichler