Anderen helfen und dabei für sich selbst vorsorgen – ab Herbst  2017 will das österreichweit angelegte Zeitvorsorge-Projekt „Zeitpolster“  www.zeitpolster.com, das  von Gernot Jochum-Müller vom Talente Tauschkreis Vorarlberg entwickelt wurde, mit Pilotgruppen quer über Österreich starten. Die Testphase läuft bereits erfolgreich.

„Aufgrund der vielschichtigen Probleme im Betreuungsbereich braucht es neue Lösungen. Wenn Betreuung gerade im Alter nicht sichergestellt ist, versagen wir als Gesellschaft. Was der einzelne nicht kann, vermögen viele gemeinsam“, erklärt Gernot Jochum-Müller. Angeregt durch die Berichte eines Zeitgutschriftenmodells für Betreuungsleistungen in Japan, startete bereits der Verein Talente Vorarlberg mit ersten Umsetzungsversuchen. Später übernahm die ALLMENDA Social Business eG Projekte des Vereins. „ In Europa fehlten praktische Umsetzungen zur Zeitvorsorge. Deswegen forschten wir weiter an diesem Thema. Wichtig für uns war der Auftrag zur Konzeptentwicklung einer Zeitvorsorge für die Stadt St.Gallen, Schweiz. Die Beauftragung erfolgte durch das Bundesamt für Sozialversicherungen und der Stadt St. Gallen.

Das Zeitpolster-Konzept wurde vom Gründer Gernot Jochum-Müller entwickelt.  „Die Zeitpolster-Organisation unterstützt freiwilliges Engagement und nachbarschaftliche Hilfe. Dieses Netzwerk gibt dem sozialen Handeln einen organisatorischen und strukturellen Rahmen. Im Fokus steht die eigene Vorsorge für das Alter oder Krankheitszeiten und das gemeinwohlorientierte, nachhaltige Geben und Nehmen. Ziel ist es, die Lebensqualität aller Beteiligten und deren Wertschätzung zu erhöhen und die zwischenmenschlichen Beziehungen in der Gesellschaft zu pflegen. Alle Helfer/-innen sind selbstorganisiert, freiwillig tätig und erhalten somit keine direkten Vorgaben wie Leistungen erbracht werden sollen“, erklärt das Zeitpolster-Team.

​Geholfen wird älteren Menschen oder Familien mit verschiedensten einfachen Unterstützungsleistungen. Dafür gibt es eine Zeitgutschrift, die später eingelöst werden kann, wenn man selbst Hilfe benötigt. Die Stunde kostet acht Euro. Je Stunde fließt ein Anteil auf ein Notfallkonto, das als Sicherstellung für die Zeitgutschriften dient.  Gemeinden, Vereine, Gruppen, Betriebe o. ä. erhalten ein Handbuch und volle Unterstützung bei der Umsetzung.

Die Website www.zeitpolster.com informiert ausführlich über die Vorgangsweise bei Gründung von Zeitpolstergruppen. Wer mitmacht, wird  als geringfügig freier Dienstnehmer bei der Gebietskrankenkasse angemeldet und  unfallversichert. Damit  keine steuerlichen Nachteile oder Leistungskürzungen eintreten, informiert das Zeitpolster-Team auch über alle steuerlichen und rechtlichen Details.

Tätigkeitsbereiche sind etwa Fahrdienste und Begleitung zu Arztterminen, Einkäufen, auf den Friedhof oder zu Gottesdiensten,   Unterstützung  bei Brief- und Schriftverkehr, beim Ausfüllung von Formularen, Hilfe im Umgang mit dem PC oder bei der Hausarbeit – Bügeln, Waschen, das Beziehen von Betten, Müllentsorgung, gemeinsames Kochen/Essen. Auch Freizeitaktivitäten wie Ausflüge in die Natur, gemeinsames Spielen, Vorlesen oder Kaffee trinken, Besuch kultureller Veranstaltungen oder handwerkliche Hilfe wie kleine Gartenarbeiten, Schneeschaufeln oder kleinere Reparaturen im Haus sind möglich. Freiräume für pflegende Angehörige schaffen kann ebenso mit Zeit vergolten werden wie Kinderbetreuung.

Grundsätzlich können mehrere Einzelpersonen, Vereine, Gemeinden, Pfarrei, Betriebe etc. eine solche Gruppe gründen. Eine Gruppe sollte bei Projektstart aus ca. 5 Personen bestehen. Alle weiteren Infos auf www.zeitpolster.com