Die Verfassung der Allmende

Die Verfassung der Allmende. Jenseits von Staat und Markt: Die Verfassung der Allmende (Einheit der Gesellschaftswissenschaften) ( 1999 )
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Nobelpreis für die Autorin

Für die "Verfassung der Allmende" erhielt Elinor Ostrom im Jahr 2009 zusammen mit Oliver Williamson (Die ökonomischen Institutionen des Kapitalismus: Unternehmen, Märkte, Kooperationen) den Wirtschaftsnobelpreis verliehen. Man kann sich auf YouTube die Reden anschauen, die beide vor der schwedischen Reichsbank anlässlich ihrer Ehrung hielten. Sie könnten nicht unterschiedlicher sein. Williamsons ist der Typ trockener Akademiker. Er spricht in Rätseln, wirkt leicht verkniffen. Eben einer, der die letzten 40 Jahre im Elfenbeinturm sitzend nichts von der wirklichen Welt mitbekommen hat. Elinor Ostrom ist das Gegenteil von Oliver Williamson. Ihr Vortrag ist voller Leben, anekdotenreich, charmant, locker und verständlich. Genauso hat sie auch "Die Verfassung der Allmende" geschrieben. Anders als Williamson ist Ostrom eine Praktikerin.

Die Feldforscherin

Elinor Ostrom bezeichnet sich selbst als "Feldforscherin", eine Frau, die sich die Problemeder Allmende vor Ort angesehen hat. Anstatt zu fragen wie etwas funktionieren sollte, zeigt sie auf, wie etwas in der Praxis tatsächlich funktioniert. Gut 2/3 des Buches entfallen daher auf die Darstellung und Bewertung unterschiedlicher Allmenderessourcen, von der Bewirtschaftung diverser Küstenfischereien, über Weideflächen in der Schweiz und in Japan, bis zu der übermäßigen Nutzung von Grundwasserspeichern südlich von Los Angeles. Das Problem ist überall gleich. Gemeineigentum verleitet de Nutzer zur "Übernutzung". Was heute nicht entnommen wird, entnimmt der Nachbar morgen. Jeder hat den Anreiz, sich mehr anzueignen, als notwendig. Am Ende droht der gesamten Ressource der langsame Tod. Fischgründe erholen sich nicht mehr, Weide- und Ackerflächen werden unfruchtbar und in die Grundwasserbassins tritt Meerwasser ein. Die traditionellen Lösungsmechanismen bestehen entweder in einer Kontrolle der Ressource durch den Staat (Sozialisierung) oder in der Zuteilung von Eigentumsrechten (Nutzungsrechten) über einen Markt. Beide Vorgehensweisen sind defizitär. Wohin Sozialismus führt, wissen wir aus der DDR. Die Marktlöung droht demgegenüber ungeregelt negative Externalitäten (Marktversagen) zu produzieren. Ostrom konnte anhand ihrer Feldforschungen feststellen, dass es einen dritten Weg gibt: Die effiziente Selbstverwaltung von Allmenderessourcen durch die lokalen Aneigner, die darin durch behutsame (flankierende) staatliche Regelungen unterstützt werden. Die Menschen sind selbst in der Lage, sich einen "Bauplan" zu geben, anhand dessen eine langfristige und ertragreiche Bewirtschaftung von Allmendegütern funktionieren kann. Darin sollten sie vom Staat unterstützt und nicht behindert werden. Kurzum: Der Mensch kommt vor dem Staat, und nur dort, wo es nicht funktioniert, sind staatliche Regeln als Unterstützung sinnvoll. Elinor Ostroms Buch ist auch für Nichtökonomen gut lesbar und lehrreich. Einzig störend ist die mitunter etwas holprige deutsche Übersetzung, die zu oft einfach nur wörtlich übersetzt, wofür es im deutschen kein entsprechendes Wort gibt (z.B. wird so das Konzept von Arenen, innerhalb derer die Aneigner kommunizieren nicht hinreichend deutlich). Dafür und nicht für den Inhalt des Buches gibt es einen Stern Abzug.

Rezension von OldboY am 3. November 2013

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