Die Troika – Macht ohne Kontrolle, diesen Schluss zieht der Dokumentarfilmer, Buchautor und Wirtschaftsjournalist Harald Schumann nach seiner Recherche über das Treiben jener Beamten aus den drei Institutionen IWF, EZB und Europäischer Kommission – der Troika – die ohne parlamentarische Kontrolle agieren und Krisenländern eine Sparpolitik aufbürden, die deren Lage noch verschlimmert. Dauerverschuldung, ruinöse Einsparungen im Gesundheitswesen, Aushebelung von Mindestlöhnen und Sozialstandards, ein Schrumpfen der Wirtschaft und Ausplünderung durch Zwangsprivatisierung von öffentlichen Gütern. Auf Einladung von Unterguggenberger Institut, Tagungshaus Wörgl und Grüner Bildungswerkstatt Tirol kamen am 26. Jänner 2016 rund 30 Interessierte zur Filmvorführung nach Wörgl ins Tagungshaus.

Harald Schumann bereiste die Krisenländer Griechenland, Spanien, Irland, Portugal und Zypern sowie Standorte jener Institutionen in Brüssel und den USA, deren Beamte fernab der betroffenen Bevölkerung Entscheidungen über die drastische  Verschlechterung der Lebensbedingungen von Millionen Menschen in Europa treffen. Im Interview mit Politikern und Betroffenen werden die Auswirkungen der diktierten, ruinösen Sparpolitik deutlich: Anstatt eines Schuldenschnittes wurde Griechenland trotz kritischer Stimmen aus dem IWF in eine Schulden-Abwärtsspirale gedrängt. Die „EU-Rettungsgelder“ kamen aber nicht in Griechenland an, sondern retteten in erster Linie französische und deutsche Banken – das griechische Volks wurde den Interessen der Finanzindustrie geopfert und in tiefe Not gestürzt. Die Sparpolitik bewirkt ein Schrumpfen der Wirtschaft und tötet Menschen, die aus der Sozialversicherung gedrängt werden und damit keine medizinische Versorgung mehr erhalten. Auf Verlangen der Troika wurden die Ausgaben für das Gesundheitswesen drastisch gekürzt. 40 % der Krankenhäuser wurden geschlossen, die Hälfte der Ärzte entlassen, 3 Millionen Menschen aus der Sozialversicherung geworfen.

Troika-Vorgaben sind in den Krisenländern verantwortlich für die Senkung von Mindestlöhnen und die Aushebelung von Tarif-Verträgen unter dem Vorwand der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit. Dass sie das Gegenteil bewirken, zeigt sich u.a. in Portugal: Vor dem Eingriff der Troika waren 50 % der Arbeitnehmer über Tarifverträge beschäftigt – jetzt sind es noch 6 %. Das Lohnniveau sank drastisch, neue Arbeitsplätze entstanden deshalb aber nicht. Die Folge: Massenauswanderung und eine „Flucht der Intelligenz“. Die Bevölkerung des Landes schrumpfte schon von 10 Millionen auf 6 Millionen Einwohner.

Noch dreister ist das Vorgehen der Troika bei der Zwangsprivatisierung öffentlicher Güter, mit der die Bevölkerung der Krisenländer enteignet wird. Was da passiert, kommt einer Plünderung gleich, bei der Großinvestoren die Chance nützen, sich den Reichtum der Länder zu schnappen – ein Ausverkauf des Landes zu Schleuderpreisen, bei der die Bürger der Krisenländer Milliarden verlieren und unter Druck geraten, sogar die Lebensgrundlage Wasser zu privatisieren. So schrieb die Troika in Portugal, Griechenland und Zypern die Privatisierung von Banken innerhalb kürzester Zeit vor, die zuerst mit Steuergeld teuer „gerettet“ werden mussten. Ob Zwangsprivatisierung der BPN-Bank in Portugal, die den Steuerzahlern bisher 5 Milliarden Euro kostete und durch ausgelagerten Finanz-Giftmüll noch viel Geld kosten wird oder Zwangsprivatisierung griechischer Banken, bei denen von 40 Milliarden Steuergeld-Ausgaben für die „Rettung“ nur mehr maximal 25 Milliarden als Privatisierungs-Erlös eingenommen werden – all diese ruinösen Geschäfte befürwortet die Troika.

Der auf ARTE ebenfalls bereits ausgestrahlte Dokumentarfilm wühlt auf, macht betroffen und bietet viel Diskussionsstoff. Bewusstseinsbildung und Information sind Grundlage für jede Veränderung. Und in diesem Sinn geht auch die Filmreihe am Dienstag, 23. Februar 2016 weiter, wenn Unterguggenberger Institut, Tagungshaus und Grüne Bildungswerkstatt Tirol um 19:30 Uhr zur Filmvorführung „Water makes Money“ laden, bei dem es darum geht, wie private Konzerne Geld mit Wasser machen.

Eva Schaffer vom Tagungshaus Wörgl bei der Begrüßung zum Filmabend "Die Troika".
Eva Schaffer vom Tagungshaus Wörgl bei der Begrüßung zum Filmabend „Die Troika“.