DIE ORANGE PILLE – warum Bitcoin weit mehr als nur ein neues Geld ist

Die orange Pille
Illustrator: dtv
Published: 2023
Der Bitcoin ist das größte Gerechtigkeitsversprechen seit Karl Marx. Nichts hat mich so misstrauisch gemacht wie die Rasanz, mit der ich von ihm überzeugt war. (Ijoma Mangold)  

Bitcoin geht alle an, nicht nur Finanzgurus und IT-Nerds

Im Film »Matrix« muss sich der Held entscheiden, ob er die blaue oder die rote Pille schluckt. Die blaue lässt ihn vergessen, die rote die Wahrheit über die Welt erkennen. Daran angelehnt wird der Bitcoin »die orangene Pille« genannt, denn wer sich mit ihm auseinandersetzt, dem wird die Macht von Wall Street und Zentralbanken in unserer Welt bewusst. Und der Bitcoin verheißt die Befreiung davon: Er ist unabhängig von zentralen Instanzen wie Banken und nicht durch sie manipulierbar.
Kenntnisreich und mit Leidenschaft schildert Mangold, wie sogar er, der Literaturkritiker, der Faszination Bitcoin verfiel und weswegen es sich dabei nicht lediglich um eine digitale Währung handelt, sondern um ein Freiheits- und Gerechtigkeitssystem.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.03.2023

Rezensent Philipp Bovermann hat einen Verdacht: Hat Ijoma Mangold am Ende viel mehr geschrieben als ein Buch über die Funktionsweisen von Bitcoin? Wie der Autor sich der Materie annähert, eigene Hemmschwellen und Vorurteile der digitalen Währung und ihrer Jünger gegenüber überwindet und schließlich der Magie des Coins verfällt, findet Bovermann unterhaltsam zu lesen. Doch erst mit einer zeitdiagnostischen Lektüre kommt er dem Text auf die Schliche: Mangold, der sich in seiner Autobiografie als überangepasster Sohn eines Nigerianers outete, outet sich nun als Freund einer politischen Universallösung und der totalen Freiheit. So oder anders. Bovermann überlässt es dem Leser.
Der Autor:
Ijoma Mangold, geboren 1971 in Heidelberg, studierte Literaturwissenschaft und Philosophie in München und Bologna. Nach Stationen bei der «Berliner Zeitung» und der «Süddeutschen Zeitung» wechselte er 2009 zur Wochenzeitung «Die Zeit», deren Literaturchef er von 2013 bis 2018 war. Inzwischen ist er Kulturpolitischer Korrespondent der Zeitung. Zusammen mit Amelie Fried moderierte er die ZDF-Sendung «Die Vorleser». Außerdem gehört er zum Kritiker-Quartett der Sendung «lesenswert» des SWR-Fernsehens. 2017 erschien «Das deutsche Krokodil». Mangold lebt in Berlin.