Buchtipp: „Warum eigentlich genug Geld für alle da ist“

Das Beste, das seit langem am Buchmarkt zum Thema Geld veröffentlicht wurde, legt der 28jährige Ökonom Stefan Mekiffer mit „Warum eigentlich genug Geld für alle da ist“, erschienen im Hanser-Verlag vor. Nach dem Studium der Wirtschaft, Kulturwissenschaften, Politikwissenschaften und Philosophie in Maastricht, Paris und Berlin brachte er eine radikal neue Geschichte des Geldes zu Papier und schrieb damit das Buch, das er zu Beginn seiner Universitätszeit gern gelesen hätte. Er liefert eine tiefschürfende Analyse, hinterfragt Dogmen, entlarvt Irrlehren, liefert eine reflektierte, messerscharfe Diagnose und empfiehlt eine ganzheitliche Therapie. Dabei bleibt Stefan Mekiffer nicht theoretisch, sondern setzt seine Erkenntnisse auch im praktischen Leben um. Ein Buch, das  Mut und Lust darauf macht, neue Wege zu gehen.

„für alle“ lautet die schlichte Widmung des jungen Autors Stefan André Mekiffer, der in Berlin und Waldeck lebt, neben seiner Schriftstellertätigkeit gerade einen Waldgarten pflanzt und als Klezmer-Musiker auftritt und für eine ganze Generation spricht. Der belesene  Mann – davon zeugt ein ausführlicher Quellenverweis mit vielen Literaturhinweisen im Anhang – skizziert nach einem aufschlussreichen Prolog, der seine Beweggründe für das Schreiben dieses Buches darlegt, die große „Wirtschafts- und Geldmaschine“ so, wie sie in Lehrbüchern Ökonomiestudierenden vermittelt wird. Die Beschreibung der Mechanik des „Moniac“ kommt aber nicht ohne Einwürfe auf den Sand im Getriebe aus, der dafür verantwortlich ist, dass die schönen Theorien bei genauem Hinsehen in der Praxis nicht viel wert sind. Mekiffer entlarvt charmant und ohne erhobenen Zeigefinger die gelehrte Ökonomie als „Tempel der Mythen, des Glaubens und der magischen Prophezeiungen“. In verständlicher Sprache erklärt er, warum Geld als Glücksmaßstab nicht taugt, das BIP ein Buchhaltertrick ist, der Wohlstand in gesättigter Volkswirtschaft nicht durch Verzicht und Knappheits-Modelle weiter wachsen kann und Zahlen blind für das Unberechenbare machen. Mathematik sei zwar praktisch, „aber wir haben es übertrieben mit der mathematischen Monokultur“, deren Modelle auch ein falsches Gefühl der Kontrolle vermitteln würden.

Wie sich diese Maschine und das heute verwendete Geldsystem in unserer Welt manifestieren, dem ist der zweite Teil des Buches gewidmet. Ganz praktisch am Beispiel einer kleinen Dorfgeschichte macht Mekiffer klar, was systemische Knappheit bewirkt. Dass Gesellschaften auch anders funktionieren können, zeigt er mit Ausflügen in die Antropologie. Aus dem verheerenden Zusammenhang von sich selbst vermehrendem Geld und der Zerstörung von Natur und unserer Lebensgrundlage und den Hunger der „Märkte“ nach immer mehr Wachstum folgert er: Wenn das Käufliche wachsen soll, muss das weichen, was umsonst ist. Immer mehr Enteignung von Allgemeingut durch Privatisierung und Kommerzialisierung ist eine Folge dieser negativen Ökonomik, die unsere Probleme nicht löst und in eine Krise des Vertrauens geführt hat. Stefan Mekiffer führt vor Augen, wie die Abstraktion des Geldes eine Diskrepanz zwischen Handeln und Auswirkungen geschaffen hat und dieses Geld im Überfluss arm macht. Den Geist des Geldes findet er in Goethes Zauberlehrling: Wie dieser hätten wir das Zauberwort vergessen, dass uns vor dem Geld rettet, das uns zu ertränken droht.

Im dritten Abschnitt seines Buches skizziert Stefan André Mekiffer „die Metamorphose des Geldes und die organische Wirtschaft“ und entwirft damit einen Ausweg aus der Krise, der anregt und Mut macht. Das attestiert ihm auch Postwachstums-Ökonomie-Pionier Prof. Niko Paech, der meint: „Dieses Buch enthält nicht nur eine pointierte Dogmenhistorie der Ökonomik, sondern wartet mit einem Vorschlag zur Transformation des Geldwesens auf, der sicherlich heftige Diskussionen auslösen wird.“

Mekiffer liefert eine ganzheitliche Kur zur Gesundung und bleibt dabei nicht bei Symptombekämpfung – bei den Ursachen und auf verschiedenen Ebenen ansetzen, von der Staatsführung bis hin zum Individium. „Wir haben hier ein Problem, wir haben zu viel Geld, zu viele Schulden, zu viel Knappheit und eine ausufernde Wirtschaft“, meint Mekiffer und macht der Politik einen Vorschlag: Das Geld vom Zins befreien – aber nicht durch Verbot. Auf Staatsebene Freigeld einführen, damit jedem Bürger ein Grundeinkommen zahlen und die Regierungsausgaben mit der Hälfte des Grundeinkommens als Staatsbudget pro Bürger finanzieren. Die Deckung dieser Währung: Durch Anrecht auf Ressourcenverbrauch. Haben Sie dazu Fragen? Die beantwortet der kreative Freidenker ausführlich, bezieht sich dabei auch auf historische Erfahrungen mit dem Freigeld in Schwanenkirchen und  Wörgl.

Dass „die Schößlinge des Wandels bereits überall treiben“ , die „einen Eindruck davon erwecken, wie unerwartet bereichernd ein Abspringen von der Maschine in mancher Hinsicht sein wird“, untermauert Mekiffer mit vielen praktischen Beispielen, wo Wandel bereits an der Basis passiert – ob Gemeinschaftsgarten, Lokalwährung, solidarische Wirtschaft oder Sharing-Ökonomie: „Die fundamentalste Strategie gegen Kommerzialisierung ist  unabhängiger vom Geld zu werden und Gemeinschaft, Allmenden und Freigebigkeit zu kultivieren.“ Er zeigt Alternativen und neue Denkmuster auf, die aus der Krise in eine friedliche „Metarmorphose der Wirtschaft“ führen. „Wirtschaft vom Kopf auf die Füße gestellt“ – das heißt sich vom Bild einer großen Maschine, deren Stellschrauben die Politik dreht, zu verabschieden, die Wirtschaft als organisches System zu denken und die Rolle des Geldes neu zu definieren – von einem Instrument, das uns einengt, zu einem Mittel der Freiheit.

Buchtipp: „Warum eigentlich genug Geld für alle da ist“. Autor: Stefan Mekiffer. Erschienen am 14. März 2016. 304 Seiten, mit Illustrationen. Buchpreis 17,90 Euro. Hanser-Verlag ISBN 987-3-446-44703-5