Befreiung vom Überfluss – auf dem Weg in die Postwachstumökonomie

Der Titel deutet schon an, worum es in dem Buch geht: um den Rückbau eines Wirtschaftssystems, das nur auf ruinösem Wachstum auf Kosten der Umwelt und der Ausbeutung von Menschen und Ressourcen in anderen Teilen der Welt beruht. Der Autor ruft nun nicht gleich zum totalen Verzicht auf alle Annehmlichkeiten auf, sondern zu einem Hinterfragen der eigenen Gewohnheiten und Reduzierung der Wünsche auf ein gesundes Maß. Er nennt dies "kreatives Unterlassen". Ist es wirklich immer notwendig, den neuesten Flachbildschirm, das neueste Handy zu besitzen? Die kaum noch zu bewältigende Reizüberflutung, die uns über alle möglichen Kommunikationskanäle ereilt, ließe sich in einer einfacheren, überschaubareren Welt mildern. Die stundenlange Vertiefung in eine Sache, wie etwa das Lesen eines Buches, erlaubt stattdessen einen tieferen Genuss, statt fader Oberflächlichkeit. Und so ist auch das Bild auf dem Buchcover zu verstehen: Raus aus dem goldenen Käfig der von der Werbeindustrie geschickt angestachelten, immer größeren Bedürfnisse nach Konsum - stattdessen Konzentration auf die Quellen des Glücks, die jeder in sich trägt, und die nichts kosten. Frank Miller

Noch ist die Welt nicht bereit, von der Droge »Wachstum« zu lassen. Aber die Diskussion über das Ende der Maßlosigkeit nimmt an Fahrt auf. Der Umweltökonom Niko Paech liefert dazu die passende Streitschrift, die ein »grünes« Wachstum als Mythos entlarvt. Nach einer vollen Arbeitswoche möchte man sich auch mal etwas gönnen: ein neues Auto, ein iPad, einen Flachbildfernseher. Ruckzuck steckt man im Teufelskreis aus Konsumwunsch und Zeitmangel. Und nicht nur das: der stete Ruf nach »mehr« lässt Rohstoffe schwinden und treibt die Umweltzerstörung voran. Dabei gelten »grünes« Wirtschaftswachstum und »nachhaltiger« Konsum als neuer Königsweg. Doch den feinen Unterschied – hier »gutes«, dort »schlechtes« Wachstum – hält Niko Paech für Augenwischerei. In seinem Gegenentwurf, der Postwachstumsökonomie, fordert er industrielle Wertschöpfungsprozesse einzuschränken und lokale Selbstversorgungsmuster zu stärken. Das von Paech skizzierte Wirtschaften wäre genügsamer, aber auch stabiler und ökologisch verträglicher. Und es würde viele Menschen entlasten, denen im Hamsterrad der materiellen Selbstverwirklichung schon ganz schwindelig wird.

Niko Paech (* 9. Dezember 1960 in Schüttorf[1]) ist ein deutscher Volkswirt und seit 2010 Gastprofessor am Lehrstuhl für Produktion und Umwelt („PUM“) an der Universität Oldenburg. Seine Forschungsschwerpunkte liegen unter anderem im Bereich der Umweltökonomie, der Ökologischen Ökonomie und der Nachhaltigkeitsforschung. (Wikkipedia)