Aus fürs „Waldviertler“ Regiogeld: Verein gibt auf

Mit Jahresende 2016 kam leider das Aus für eine der bekanntesten österreichischen Komplementärwährungen:  „Die Waldviertler Scheine werden mit Jahresende eingestellt. Die Fusion der Volksbank und die damit verbundenen Kürzungen machen eine Weiterarbeit für uns ziemlich schwierig, es übersteigt einfach unsere Ressourcen. Wir befinden uns in einer Zwischenzeit. Während unter anderem die Banken alles tun, um den Bargeldverkehr zu vermeiden, ist sich kaum jemand bewusst, was dies für die Gesellschaft bedeutet: Gerade benachteiligte Schichten sind davon betroffen! So mangelt es noch an jener breiten Unterstützung, die es für eine Initiative unserer Art  bräuchte! Das nehmen wir zur Kenntnis im Wissen, dass das Modell der Regionalwährung Zukunft hat“, erklärt Karl A. Immervoll, „Waldviertler-Motor“ und Betriebsseelsorger im Oberen Waldviertel.

Die Waldviertler Regionalwährungsinitiative, der Trägerverein Waldviertler Verein für regionales Wirtschaften, informierte mit Sondernewslettern im Dezember über die aktuelle Entwicklung und zog Bilanz. „Die Waldviertler Regionalwährung wurde 2005 gegründet, um der Abwanderung des Geldes und der Menschen aus der Region entgegenzuwirken. Der Waldviertler kann mit Stolz auf ereignisreiche Jahre zurückblicken: Es kamen insgesamt fünf verschiedene Serien des Waldviertlers in Druck. Über 200 Mitgliedsbetriebe und unzählige Privatpersonen haben den Waldviertler als Zahlungsmittel genutzt. 2006 wurde der erste Regionalmarkt in Heidenreichstein abgehalten.  2008 wertete die Zeitschrift SIGMA das Waldviertler Logo als bestes unter den Regionalwährungen. Ein Film über den Waldviertler wurde produziert. Seit 2009 ist die Volksbank Heidenreichstein zentrale Wechselstelle. In diesem Jahr berichtete Servus TV erstmals über unsere Regionalwährung.“

Seit 2011 akzeptierte die Stadtgemeinde Heidenreichstein den Waldviertler als Zahlungsmittel und 30 % der Kommunalsteuer konnten in Waldviertler bezahlt werden. Außerdem wurden Vereinsförderungen seitens der Stadtgemeinde in Waldviertlern ausgegeben.  „2011 war der Waldviertler gleich drei Mal im Fernsehen – in Servus TV, ORF Report und ATV. 2013 wurde der Waldviertler mit dem Preis „Move on nö“ in der Kategorie Innovation und Nachhaltigkeit ausgezeichnet und das Projekt „Solartaxi Heidenreichstein“ gemeinsam mit Solarmobil Austria ins Leben gerufen“, teilt der Verein mit.

„Ende 2014 startete in Lenzburg in der Schweiz eine Ausstellung zum Thema „Geld – Jenseits von Gut und Böse“, die bis 2016 zu sehen war. Der Waldviertler war ein Exponat. Im gleichen Jahr konnte der Palettenbau beim Naturpark Heidenreichsteiner Moor als Taxigarage mit E-Tankstelle im Rahmen des Viertelfestivals feierlich eröffnet werden. Dieser Bau erhielt 2015 den Anerkennungspreis des Bautech-Preises Austria. In diesem Jahr war der Waldviertler auch in einer Sonderausstellung der Österreichischen Nationalbank „Formen des Geldes“ vertreten“, berichtet der Waldviertler Verein für nachhaltiges Wirtschaften, der weiterbestehen bleibt.

2015 feierte die Regionalwährung das 10jährige Bestehen mit einer großen Ausstellung im Heimatmuseum Heidenreichstein und danach noch in der Volksbank Heidenreichstein. Der Waldviertler wurde in der Ausstellung des MAK „Vienna Biennale 2015 Ideas for Change“ gezeigt und das Solartaxi mit dem Löwenherzpreis für sozial mutiges Handeln geehrt. 2016 fand eine Podiumsdiskussion zum Thema „Der Waldviertler und die Auswirkungen auf die Region“ statt, der Regionalmarkt feierte sein 50. Jubiläum.

Und natürlich gab es in unzähligen nationalen und internationalen Zeitungen und Zeitschriften Berichte über den Waldviertler. Auch wurden Buchbeiträge verfasst, Diplomarbeiten geschrieben, Schulbücher mit dem Waldviertler als Beispiel für regionales Wirtschaften gedruckt, philosophische Cafes abgehalten und vieles mehr. Zuletzt gab es Anfragen aus Bulgarien und dem Libanon. „Das Wichtigste jedoch ist: Der Waldviertler hat viele Menschen veranlasst sich über Geld Gedanken zu machen. Dadurch wurde bewusst, wie wichtig regionales Einkaufen ist. Denn wenn Geld in der Region verloren geht werden Arbeitsplätze zerstört und Menschen wandern ab.“

Rücktausch bis Ende März 2017

„Bis Ende März 2017 können die Waldviertler Gutscheine 2016 nach wie vor zum Einkaufen in den Mitgliedsbetrieben verwendet werden. Ab 2. Jänner 2017 können Privatpersonen und Gewerbetreibende die Waldviertler 2016 bis 31. März 2017 bei der Volksbank Heidenreichstein ohne Rückwechselgebühr 1:1 in Euro retour tauschen. Ab 1. April 2017 ist ein Rücktausch von Waldviertler Gutscheinen 2016 nur noch im Büro der Waldviertler Regionalwährung zu den Betriebszeiten unter Abzug der 2 %igen Quartalsicherung möglich. Ältere Waldviertler Gutscheine als 2016 können ab 9. Jänner 2017 im Büro der Waldviertler Regionalwährung ebenfalls unter Abzug der 2%igen Umlaufsicherung pro Quartal in Euro rückgewechselt werden.