Der Welt zu Diensten

Der Welt zu Diensten
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Illustrator: Antje Kunstmann Verlag
Published: 2023

Wie Großbritannien zum Butler von Oligarchen, Kleptokraten, Steuerhinterziehern und Verbrechern wurde.

Aus dem Englischen von Sigrid Schmid und Rita Gravert. Ein Buch, das Oligarchen nicht lesen wollen: wie Großbritannien der Diener von Milliardären, Finanzbetrügern, Kleptokraten und Kriminellen wurde. Die Suezkrise von 1956 gilt als der Tiefpunkt der britischen Geschichte im 20. Jahrhundert, der Moment, in dem eine globale Supermacht in die Knie gezwungen wurde. In den berühmten Worten des US-Außenministers Dean Acheson: “Großbritannien hat sein Reich verloren, aber noch keine neue Rolle gefunden.” Das entsprach nur der halben Wahrheit, denn Großbritannien hatte schon eine neue Rolle gefunden und das Kostüm dazu lag auch schon bereit. Die Welt hatte es nur noch nicht bemerkt. Oliver Bullough enthüllt in diesem Buch, wie Großbritannien zu einem der zentralen Orte der globalen Offshore-Ökonomie und zum Handlanger der Oligarchen, Kleptokraten und Kriminellen dieser Welt wurde. Denn während Großbritannien nach außen gerne die Werte des Fairplay und der Rechtsstaatlichkeit betont, gibt es wenige Länder, die die globale Anti-Korruptions-Anstrengung mehr behindern und von einem unregulierten Finanzmarkt mehr profitieren.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 27.05.2023

“Die Lektüre des Buches ist deprimierend, aber faszinierend”, findet Rezensent Ralf Sotscheck. Denn Oliver Bulloughs habe seiner Heimat Großbritannien so richtig eins auf die Mütze gegeben: Das sprichwörtliche Fair Play sei Legende, denn gegen genügend Geld werfe sich der demokratische Musterknabe seit der Suez-Krise 1956 jedem an den Hals, fasst Sotscheck Bulloughs These zusammen. Dass der Autor seine Argumentation durch gute Recherche zu untermauern weiß und in humorvollem Ton erzählt, wie der Finanzbetrug im “Land von Harry Potter, Königin Elisabeth II. und Downton Abbey” durch die Seilschaften von Politikern, Anwälten und Banken zur tragenden Säule des Staates werden konnte, ist dem Rezensenten ein weiteres Lob wert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.04.2023

Ausgesprochen unterhaltsam findet Rezensentin Viola Schenz, wie ihr der britische Journalist Oliver Bullough die Verkommenheit des britischen Finanzsystems darlegt. Dass russische Oligarchen und arabische Autokraten ihre Milliarden in London parken, weiß die Rezensentin. Aber neu ist ihr, wie im Grunde genommen das ganze ehrenwerte britische Finanz- und Rechtssystem umfunktioniert wurde zu einer Steueroase, um halbseidenenen Superreichen bessere Geschäften zu ermöglichen. Diesen Systemwechsel schildert ihr Bulloughs plausibel. Dass sich die Amoralität in einem schrulligen Gebaren und in “kauzigen Traditionen” kleidet, macht sie der Rezensentin von jetzt an besonders abstoßend.
Der Autor Oliver Bullough, geb. 1977, hat in Oxford Geschichte studiert und arbeitet als Journalist u.a. für den Guardian, die New York Times und als freier Autor.